Medienkompetenz von Kindern fördern: Definition, Fragebogen und Maßnahmen

© fotoatelier.hamburg – stock.adobe.com

Die Medienwelt wird digitaler – immer mehr Kinder haben bereits in jungen Jahren Zugang zu Medien aller Art. Damit sie lernen, verantwortungsvoll mit Medien umzugehen und welche Gefahren damit verbunden sind, müssen Lehrkräfte den Kindern in der Schule entsprechende Kompetenzen vermitteln. Wie entwickeln Kinder Medienkompetenz und was können Lehrkräfte tun, um diese Fähigkeiten zu fördern?

Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet Medienkompetenz für Kinder?
  2. Wieso ist Medienkompetenz bei Kindern wichtig?
  3. Was gehört zu Medienkompetenz?
  4. Wie erwerben Kinder Medienkompetenz?
  5. Welche Medien gibt es für Kinder?

Was bedeutet Medienkompetenz für Kinder?

Medienkompetenz für Kinder beschreibt die Fähigkeit, dass Kinder Medien altersgemäß, selbstbestimmt und verantwortungsvoll nutzen können. Kinder mit entsprechender Medienkompetenz hinterfragen verschiedene Arten von Medien kritisch und bewerten den eigenen Medienkonsum konstruktiv. Ihre Medienkompetenz erhalten die Kinder v. a. durch Lehrkräfte und Eltern.

Bei der Vermittlung dieser Kenntnisse sollten die Erwachsenen insbesondere auf kommunikative, methodische, technische und ethische Aspekte eingehen.

Medienkompetenz von Kindern nach Dieter Baacke

Sowohl in der Pädagogik wie auch in Sozial- und Medienwissenschaften gibt es verschiedene Definitionen zur Medienkompetenz von Kindern. In Deutschland ist seit den 1990er Jahren besonders die Theorie des Erziehungswissenschaftlers Dieter Baacke verbreitet.

Laut Baacke beinhaltet der Begriff „Medienkompetenz“ nicht nur Anforderungen, wie Kinder Medien nutzen sollen. Vielmehr sei Medienkompetenz eine Variante der kommunikativen Fähigkeiten von Kindern. Medienkompetenz solle es Kindern ermöglichen, zwischen den umfangreichen Informationsangeboten der Medien zu unterscheiden und für sich wichtige Punkte herauszufiltern.

Baacke unterteilt die Medienkompetenz von Kindern in vier Dimensionen, die Lehrkräfte bei der Vermittlung der Kompetenzen aufnehmen sollten.

So ergibt sich folgende Aufteilung:

Dimension Kompetenzen
Medienkunde
  • Wissen zur Funktionsweise und Wirkung von unterschiedlichen Medien sammeln
  • vorhandene und neue Medien bzw. Geräte nutzen können
Medienkritik
  • erworbene Kenntnisse zu Medien selbst reflektieren und kritisch beurteilen
  • aktuelle Entwicklungen und Inhalte von Medien differenziert betrachten
  • eigenes Wissen über Medien permanent erweitern
Mediennutzung
  • eigene Mediennutzung (Häufigkeit, Dauer, Art und Motivation der Nutzung) selbst reflektieren
Mediengestaltung
  • Medien stetig verändern und weiterentwickeln
  • neuartige Kommunikationswege entwerfen, die über die alltägliche Kommunikation hinausgehen 

Damit sich Kinder eine ausreichende Medienkompetenz aneignen, müssen Lehrkräfte und Eltern sie umfangreich zum Umgang mit Medien aufklären. Doch warum ist diese Aufklärung überhaupt notwendig?

Wieso ist Medienkompetenz bei Kindern wichtig?

Bereits in der (Grund)schule sollten Lehrkräfte den Kindern Medienkompetenzen vermitteln. Folgende Punkte zeigen, wieso Medienkompetenz bei Kindern wichtig ist.

• Medienkompetenz kann für Lernerfolg entscheidend sein

Lehrkräfte nutzen unterschiedlichste Medien im Unterricht, um den Schülerinnen und Schülern den Schulstoff zu vermitteln. Egal ob durch Schulbücher, Präsentationen oder Lehrfilme: Bereits in der Schule haben Kinder regelmäßig Kontakt mit einer Vielzahl an Medien. Dazu kommen soziale Netzwerke und digitale Plattformen.

Damit die Kinder mit verschiedenen Medien aus dem Unterricht arbeiten können, müssen die Lehrkräfte ihnen den Umgang mit diesen beibringen – sie müssen Medienkompetenzen vermitteln. Dieser Zusammenhang macht deutlich, dass der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler u. a. von deren Medienkompetenzen abhängig ist. Eine ausgeprägte Medienkompetenz erleichtert es Kindern mithilfe von Medien für die Schule zu lernen und neue Informationsquellen zu entdecken.

Allerdings müssen auch die Lehrkräfte digitale Kompetenzen sowie medienpädagogische und didaktische Fähigkeiten aufweisen, um Kindern Medienkompetenzen beizubringen. Das gilt sowohl für angehende wie auch für bereits an Schulen tätige Lehrkräfte.

Damit die Schulleitungen sicherstellen, dass ihre Lehrkräfte über ausreichende Kenntnisse zu Medien verfügen, müssen sie diese regelmäßig weiterbilden und deren Kompetenzen beurteilen. Eine hilfreiche Stütze bei der Beurteilung der Lehrkräfte bieten die Textbausteine der Software „Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Schule schnell und sicher erstellen“. Die Software geht auf die länderspezifischen Regelungen zur Lehrerbeurteilung ein und enthält hilfreiche Materialien sowie Checklisten.

• effektivere Aufklärung über Gefahren durch Medien

Viele Medien bergen Gefahren für Kinder und Jugendliche. Seien es nicht jugendfreie Filme oder betrügerische Websites, die Schadsoftware enthalten oder Daten missbrauchen. Besonders Kinder sind anfällig für solche Gefahren, da sie noch nicht so reflektiert und erfahren mit Medien umgehen können wie Erwachsene. Auch die Bedeutung von Jugendschutz oder Datenschutz ist Kindern meist noch nicht bewusst.

Dieser Problematik können Lehrkräfte entgegenwirken, wenn sie den Kindern in der Schule Medienkompetenzen vermitteln. Dadurch erlernen die Schülerinnen und Schüler i. d. R. einen geübteren Umgang mit verschiedenen Medien, kennen deren grundlegende Funktionen und wissen über mögliche Risiken Bescheid.

Eine mögliche Gefahr, besonders bei digitalen Medien, ist das sog. „Cybergrooming“, die sexuelle Belästigung von Kindern im Internet. Was Lehrkräfte und Eltern tun können, um Kinder vor Cybergrooming zu schützen, zeigt der Beitrag „Cybergrooming: Künftig ist dank Änderung im Strafgesetzbuch der bloße Versuch strafbar“.

Grundlegende Maßnahmen zum Jugendschutz enthält auch das Jugendschutzgesetzt (JuSchG), das im März 2021 reformiert wurde. Nähere Informationen hierzu enthält der Beitrag „JuSchG reformiert: Bundesrat stärkt Kinder- und Jugendschutz im Internet“.

• Studie: Medienkonsum bei Kindern steigt

Ein weiterer Grund, wieso Medienkompetenz für Kinder wichtig ist, liegt in der steigenden Mediennutzung in unserer Gesellschaft. Die Kommunikation von Kindern und Jugendlichen findet zunehmend über elektronische bzw. digitale Medien statt. 

Die Studienreihe „JIM – Jugend, Information, (Multi-)Media“ befragt jedes Jahr Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren zum Umgang mit Medien. Bei ihren Studien kamen für das Jahr 2020 u. a. folgende Kennzahlen heraus:

  • 96 % der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein Smartphone oder Handy.
  • 72 % verfügen über einen Computer (2019 waren es 65 %).
  • 89 % bewegten sich täglich in ihrer Freizeit im Internet.
  • 90 % sahen sich mindestens mehrmals wöchentlich Videos im Internet an.
  • 258 Minuten verbrachten Jugendliche durchschnittlich von Montag bis Freitag online (2019 waren es noch 205 Minuten).

Sogar Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren konsumieren bereits regelmäßig verschiedene Arten von Medien. Die „Kinder-Medien-Studie“ hat im Jahr 2019 im Auftrag von sechs Verlagen herausgefunden:

  • 94 % der Kinder schauen mindestens mehrmals pro Woche Filme, Serien oder Fernsehsendungen.
  • 82 % der 10- bis 13-Jährigen haben ein eigenes Smartphone.
  • 31 % der Kinder zwischen 6 und 9 Jahren besitzen ebenfalls ein Smartphone.
  • 43 % posten digital Bilder oder Statusmeldungen.

Die Ergebnisse der Studien zeigen: Immer mehr Kinder und Jugendliche benutzen Medien im Alltag. Daher ist es umso wichtiger, dass Lehrkräfte den Kindern Medienkompetenzen vermitteln, um den steigenden Medienkonsum pädagogisch und altersgerecht zu begleiten.

Worauf Lehrkräfte außerdem beim Medienkonsum von Kindern achten müssen, zeigt der Beitrag „Gesunden Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen fördern: Lehrkräfte sollten Eltern bei der Medienerziehung unterstützen“.

• Eingliederung in die Gesellschaft

In vielen Bereichen fordert unsere Gesellschaft, dass Menschen mit allen Arten von Medien umgehen und arbeiten können, sei es durch soziale Netzwerke im Freundeskreis, Nachrichtenmeldungen aus dem Internet oder im Berufsalltag.

Diese Anforderungen der Gesellschaft gelten auch zunehmend für Kinder: Sie müssen aus verschiedenen Quellen Informationen für eine Schularbeit heraussuchen, digitale Präsentationen erstellen und ggf. von zu Hause in virtuellen Klassenzimmern lernen.

Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen Kinder bereits in der (Grund)schule entsprechende Fähigkeiten erlernen. Medienkompetenzen bilden die von der Gesellschaft geforderten Kenntnisse ab und ermöglichen es Kindern, sich bereits frühzeitig in die Gesellschaft zu integrieren sowie sich für das spätere Berufsleben erforderliche Kenntnisse anzueignen.

Was gehört zu Medienkompetenz?

Zur Fragen nach den Einzelaspekten der Medienkompetenz bei Kindern gibt es verschiedene Auffassungen. Dennoch gibt es einige grundlegende Punkte, die jede Lehrkraft ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln sollte, um die Medienkompetenz der Kinder zu fördern.

Medienkompetenz von Kindern: Fragebogen

Mit folgendem Fragebogen können Lehrkräfte und Eltern reflektieren, wie ausgeprägt die Medienkompetenz ihrer Kinder ist. Auch mögliche Defizite oder Kompetenzlücken lassen sich mit dem Fragebogen ermitteln.

Der Fragebogen beinhaltet einige grundlegende Themen zur Medienkompetenz und zusätzliche Fragestellungen, um Kindern mögliche Gefahren durch Medien nahezulegen:

Fragebogen: Medienkompetenz von Kindern 
allgemeine Kompetenzen: 
Besitzt das Kind grundlegendes Wissen über heutige Mediensysteme?
Kann das Kind verschiedene Medien altersgerecht nutzen?
Wie geht es mit der Informationsvielfalt um, die Medien bieten?
Geht das Kind verantwortungsvoll mit Medien um?
Besitzt es die Fähigkeit, den eigenen Medienkonsum, Medieninhalte und mediale Werbung kritisch zu hinterfragen?
Kennt es Möglichkeiten, Medien kreativ zu nutzen?
Gefahren durch Medien:
Kennt das Kind das Thema Datenschutz und damit zusammenhängende Probleme?
Ist es über wesentliche Regelungen zum Jugendschutz bei Medien informiert?
Weiß das Kind, wie es seine Identität bei der Mediennutzung schützen kann?
Kennt es grundlegende Vorgaben durch das Urheberrecht?
Ist es zu (Cyber-)Mobbing sensibilisiert?

Dieser Fragebogen hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und zeigt lediglich eine Auswahl möglicher Punkte, die beim Aufbau von Medienkompetenz bei Kindern relevant sind. Da Medienkompetenz ein komplexer und nicht eindeutig abzugrenzender Begriff ist, gibt es viele Auffassungen und Interpretationen dazu, was für eine ausgeprägte Medienkompetenz bei Kindern wichtig ist.

Wie erwerben Kinder Medienkompetenz?

Kinder erwerben Medienkompetenz in einem Prozess, der je nach Alter unterschiedlich zu betrachten ist. In der Schule erlernen Kinder Medienkompetenz i. d. R. anhand von speziellen Unterrichtseinheiten im Fach Deutsch oder in speziellen, gesellschaftswissenschaftlich orientierten Kursen.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Lehrkräfte in Kombination miteinander nutzen können, um die Medienkompetenz der Kinder zu fördern.

Im Folgenden einige beispielhafte Maßnahmen:

  • Kinder aufklären, wie sie einzelne Medien technisch und alltagstauglich benutzen.
  • Verschiedene Medien aktiv im Unterricht und in Schulprojekten einsetzen.
  • Schülerinnen und Schüler selbst Medieninhalte produzieren lassen, z. B. Internetbeiträge oder Kurzfilme.
  • Aktionswochen zum Umgang mit Medien und verbundenen Gefahren durchführen.
  • Kinder selbstständig Informationen aus verschiedenen Medien hinsichtlich Seriosität und Wahrheitsgehalt prüfen lassen.

Wenn Kinder im Unterricht selbst aktiv werden dürfen und mit mehreren Medien arbeiten, erlernen sie den Umgang mit einzelnen Angeboten von Medien meist schneller und effizienter.

Welche Medien gibt es für Kinder?

Die Medienkompetenz von Kindern bezieht sich auf eine Vielzahl unterschiedlicher Medien. Besonders in den vergangenen Jahren sind einige neue Medien hinzugekommen. Durch diese große Menge lassen sich Medien in verschiedene Kategorien unterteilen.

Für Kinder sind besonders folgende Medien relevant:

  • Printmedien (Bücher, Zeitschriften etc.)
  • audiovisuelle Medien (Fernsehen, Videos etc.)
  • auditive Medien (Radio, CDs, Hörspiele etc.)
  • interaktive Medien (Computer, Internet, Smartphones, Apps etc.)

Am häufigsten wird zusätzlich in analoge und digitale Medien unterschieden. Analoge Medien vermitteln ihre Informationen über physische Träger wie Papier oder CDs. Dem entgegen stehen Medien, die über digitale Kanäle ihre Inhalte wiedergeben. Hierzu zählen v. a. Computer, Smartphones, Internet und das Fernsehen.

Quellen: „Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Schule schnell und sicher erstellen“, JIM-Studie 2020, Kinder-Medien-Studie 2019

Sie wollen mehr Fachwissen, Praxistipps und kostenlose Arbeitshilfen zum Bereich Bildung, Erziehung und Soziales erhalten? Dann melden Sie sich gleich zu unserem kostenlosen Fach-Newsletter an!

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.