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"Biografiearbeit in der Pflege: Definition, Ziele und Methoden"


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Biografiearbeit in der Pflege: Definition, Ziele und Methoden

© Robert Kneschke – stock.adobe.com

Biografiearbeit ist ein häufig genutztes Instrument, insbesondere in der (Alten)pflege. Sie ermöglicht es, die Betreuung einer pflegebedürftigen Person auf deren Bedürfnisse auszurichten, zu individualisieren und damit die Akzeptanz für übrige Pflegemaßnahmen erfolgreicher zu gestalten. Welche Methoden eignen sich für die Biografiearbeit, welche Ziele können erreicht werden und wo gibt es Grenzen?

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition: Was ist Biografiearbeit?
  2. Was gehört alles in eine Biografiearbeit?
  3. Welche Methoden zur Biografiearbeit gibt es?
  4. Ziele der Biografiearbeit in der Pflege
  5. Grenzen der Biografiearbeit
  6. Fazit: Warum ist Biografiearbeit wichtig?

Definition: Was ist Biografiearbeit?

Biografiearbeit (oder Biographiearbeit) ist eine Methodik, bei der ein Mensch vergangene Erfahrungen und Erlebnisse wiedererleben und reflektieren soll. Hierfür werden ihm z. B. gezielt Fragen gestellt, Gegenstände gezeigt oder Orte besucht, um Erinnerungen hervorzurufen und darüber ins Gespräch zu kommen. Die dabei aufkommenden Gefühle und Emotionen gelten quasi als Schlüssel der biografischen Arbeit.

Grundsätzlich wird Biografiearbeit in der Altenpflege und Betreuung von Demenzkranken eingesetzt, kann aber auch von sozialen Einrichtungen wie Kindergärten genutzt werden. Sie dient der Bearbeitung im Hier und Jetzt und kann Menschen dabei helfen, ihre Gedanken sowie vergangenen Erlebnisse zu ordnen.

Gleichzeitig geht es in der Biografiearbeit nicht darum, ausschließlich an der Vergangenheit einer Person festzuhalten. Vielmehr soll die Arbeit dabei unterstützen, persönliche Erinnerungen in einem geistigen Prozess als dankbar und lehrreich zu verstehen.

Was gehört alles in eine Biografiearbeit?

Es gibt unterschiedliche Themenfelder und Betreuungsangebote, die für eine erfolgreiche Biografiearbeit genutzt werden können. So umfasst die Biografie eines Menschen insbesondere folgende Bereiche:

  • Name, Herkunftsfamilie, Stammbaum
  • Soziale Kontakte, einflussreiche Personen
  • Schulzeit, Klassentreffen
  • Auszug aus dem Elternhaus, Wohnorte, Lebensräume
  • Urlaube, Reisen
  • Beruf:
    • Berufsentscheidung
    • Arbeitsplätze
    • Kolleginnen und Kollegen
  • Liebe:
    • Kennenlernen (ehemaliger) Partnerinnen und Partner
    • Erster Kuss, erste Liebe
    • Eigene Hochzeit
    • Besonders prägende Beziehungen
  • Hobbies, Vorlieben und persönliche Interessen
  • Gewohnheiten und Rituale
    • Jahreszeitliche Bräuche, Feiertage
    • Tages- und Wochenstruktur
  • Lieblingsspeisen, Lieblingsmusik, Filme
  • Haushaltsführung
  • (Ehemalige) Lebensplanungen und Ziele, Träume
  • Höhepunkte/Triumphe im Leben
  • Krisensituationen, peinliche Erlebnisse
  • Erfahrungen mit Verlust, Tod

Diese Auflistung zeigt, dass Pflegekräfte und andere betreuende Personen unzählige Möglichkeiten haben, eine Biografiearbeit zu entwickeln. Für eine übersichtlichere Organisation bietet es sich an, die gesammelten Informationen in einem Biografiebogen o. ä. zu dokumentieren.

Welche Methoden zur Biografiearbeit gibt es?

Grundsätzlich gibt es keine standardisierte Vorgehensweise zum Einsatz von Biografiearbeit. Allerdings haben sich in der Praxis bereits unterschiedliche Methoden erprobt, die als Impulsgeber für Gespräche und vielfältige Fragen dienen können.

So eignen sich z. B. folgende Methoden:

  • Fotoalben oder persönliche Schmuckstücke betrachten.
  • Gemeinsames Musizieren mit (Kinder-)Liedern, die die zu pflegende Person kennt.
  • Das räumliche Umfeld gestalten (z. B. bestimmte Einrichtungsgegenstände oder Farben nutzen, Erinnerungsecken einrichten).
  • Düfte in der Pflege einbauen, die die pflegebedürftige Person mag oder z. B. positiv an ihre Kindheit erinnert (etwa beim Waschen in Form von ätherischen Ölen oder Duschgelen).

Allerdings sollten Pflegekräfte bei der Auswahl geeigneter Methoden einige Grundsätze beachten.

Was ist wichtig bei Biografiearbeit?

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte, die bei der Umsetzung der Methoden zur Biografiearbeit beachtet werden sollten.

Aspekt Beschreibung
Offene Kommunikation

In jeder Biografiearbeit sind zwei Aspekte maßgebend: das Erzählen und das Zuhören. Die zuhörende Person (z. B. eine Pflegefachkraft) sollte aktiv auf das eingehen, was die erzählende Person (z. B. ein Pflegebedürftiger) berichtet. Daher sollten Pflegekräfte einige Punkte beachten, um der anderen Person das Gefühl zu vermitteln, zuzuhören und Interesse zu zeigen.

Wichtig sind insbesondere folgende Maßnahmen:

  • Aufnehmend zuhören, z. B. durch nonverbale Zeichen wie Nicken, Blickkontakt oder ein „aha“.
  • Das Gehörte zusammenfassen, indem sie die wesentlichen Äußerungen in möglichst eigenen Worte wiederholen.
  • Offene Fragen stellen, um die Person zum Weiterreden zu ermutigen und das Gespräch aufrecht zu erhalten.
  • Rückmeldungen über ausgelöste Gefühle geben.
  • Blickkontakt aufbauen, um nonverbale Gesten der anderen Person zu beobachten.

Damit lässt sich Vertrautheit herstellen und die Beziehung zwischen Pflegekraft und betreuter Person langfristig fördern. Gleichzeitig darf das Gespräch nicht wie ein Verhör wirken, sondern eher, als würde der oder die Pflegebedürftige eine Geschichte erzählen.

Wiederholungen akzeptieren

Erzählen die Pflegebedürftigen wiederholt von einem oder mehreren gleichen Erlebnissen (z. B. aufgrund von Demenz), sollten Pflegekräfte geduldig bleiben. Ein Drängeln oder Vorauseilen ist meist wenig hilfreich, kann sogar kontraproduktiv wirken und die andere Person verunsichern oder verwirren.

Eigene Interpretation/Wertung ausblenden

Insbesondere bei persönlichen Berichten eines Pflegebedürftigen sollten Pflegekräfte darauf achten, keine eigenen Urteile oder Wertungen einfließen zu lassen. Jeder Mensch hat individuelle Deutungsmuster und Einstellungen zu bestimmten Themen – besonders bei Situationen, die er oder sie selbst erlebt hat.

Die Biografiearbeit eignet sich meist weniger für eine intensive Diskussion über ein bestimmtes Thema. Vielmehr besteht bei eigenen Deutungen von Seiten der Pflegekraft die Gefahr von Missverständnissen in der Kommunikation.

Beziehung zu Angehörigen

Nicht nur der Austausch mit der pflegebedürftigen Person spielt eine wichtige Rolle in der Biografiearbeit. Auch die Kommunikation mit deren Angehörigen gehört dazu. Sie können dabei helfen, die Biografiearbeit auszubauen, indem sie ihre persönlichen Erfahrungen und gemeinsamen Momente mit der betreuten Person schildern. Diese Informationen helfen der Pflegekraft dabei, das Betreuungsangebot bedarfsgerecht auszurichten.

Diese Punkte sind gleichzeitig Voraussetzung, um Ziele zu erreichen, die mit der Biografiearbeit einhergehen.

Ziele der Biografiearbeit in der Pflege

Aus pflegerischer Sicht ist eines der größten Ziele der Biografiearbeit, die Pflege einer Person zu vereinfachen und zu individualisieren. Durch den gemeinsamen Austausch von Erfahrungen und Emotionen und die direkte Kommunikation entsteht eine vertraute Basis, die in den gesamten Pflegeprozess eingebunden werden kann. Damit lässt sich die Beziehung zwischen Pflegekraft und betreuter Person positiv gestalten.

Aus Sicht der pflegebedürftigen Person soll Biografiearbeit ihre Lebensqualität erhöhen. Sie soll sie begleiten und unterstützen, etwa bei folgenden Themen:

  • Suche/Festigung der eigenen Identität
  • Bilanzierung des bisherigen Lebens
  • Rückverfolgung des Lebenswegs bis ins Hier und Jetzt
  • Von diesem Standort aus: Formung einer Neudefinition des zukünftigen Lebens

Darüber hinaus kann Biografiearbeit bei der Betreuung dementer Menschen helfen. Hier bietet sie die Möglichkeit, die vertraute und positiv wahrgenommene Lebenswelt im Alltagserleben wiederzufinden. Nähere Informationen dazu enthält u. a. der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“.

Nicht zuletzt hilft eine ausgearbeitete Biografiearbeit bei der Sterbebegleitung. Da gerade am Lebensende viele Menschen ihr gesamtes Leben reflektieren und hinterfragen, kann die Biografiearbeit bei diesem Prozess unterstützen. Anregungen für Pflegekräfte und Ideen zu passenden Gesprächstechniken enthält das Buch „Im Dialog mit Sterbenden“.

Allerdings lässt sich die Biografiearbeit nicht in jedem Bereich und für jede pflegebedürftige Person einsetzen.

Biografiearbeit-in-der-Pflege-Forum-Verlag-Herkert-GmbH
Biografiearbeit, etwa mithilfe alter bekannter Gegenstände, bietet viele Chancen in der Betreuung pflegebedürftiger Personen. (Bild: © jovannig – stock.adobe.com)

Grenzen der Biografiearbeit

Zunächst ist wichtig, dass Biografiearbeit eine zeitintensive Methode ist und sich daher nicht für jede Einrichtung im Gesundheitswesen eignet. So ist es z. B. in Krankenhäusern oftmals schwierig, die notwendige Zeit aufzubringen, um mit der Person in einen intensiven Austausch zu kommen, da die Patientinnen und Patienten dort meist nur wenige Tage untergebracht sind. In Pflegeheimen oder anderen Diensten der Altenpflege kann sich Biografiearbeit hingegen als sehr lohnenswert erweisen, da sich die Personen hier längere Zeit aufhalten.

Zudem birgt Biografiearbeit immer ein gewisses Risiko: Da teils sehr intime Momente aus der Vergangenheit einer Person behandelt werden, können negative Erfahrungen oder Traumata erneut zu Tage treten. Gerade die Themen Krieg und Vertreibung sind noch immer für viele ältere Menschen eine große Belastung. Die Biografiearbeit ersetzt allerdings keine psychotherapeutischen Angebote, weshalb jede Pflegekraft ggf. weitergehende Hilfsangebote vermitteln sollte. Dennoch können der gemeinsame Austausch und das erneute Reflektieren dabei helfen, diese Gefühle zu akzeptieren und in eine neutrale Emotion umzuwandeln. Wichtig ist daher stets ein respektvoller und sensibler Umgang von Seiten der Pflegekraft. 

Außerdem hängt der Erfolg und die Umsetzbarkeit der Biografiearbeit immer von der geistigen und körperlichen Verfassung der betreuten Person ab. Weißt diese z. B. kognitive Einschränkungen auf, können das Verstehen und Sprechen beeinträchtigt sein. Solche Umstände können den gemeinsamen Austausch erschweren, der jedoch als grundlegender Bestandteil der Biografiearbeit gilt. Hier helfen insbesondere Methoden wie alte Gegenstände, Plakate oder Rollenspiele, um auch auf nonverbalem Weg die Beziehung zu stärken.

Fazit: Warum ist Biografiearbeit wichtig?

Biografiearbeit lebt vom persönlichen und intensiven Gespräch miteinander. Das bietet die Chance, langfristig eine tiefere Bindung zur pflegebedürftigen Person aufbauen, was wiederum deren Pflege erleichtert. Ist das Vertrauen zur Pflegekraft groß, sind Pflegebedürftige i. d. R. gewillter, Vorschläge anzunehmen und offener gegenüber neuen Betreuungsangeboten. Insgesamt dient eine ausgeprägte Pflegearbeit somit sowohl der körperlichen als auch der seelischen Pflege.

Des Weiteren kann Biografiearbeit eine Chance für den Umgang mit Demenzerkrankten sein. Durch den intensiven Austausch mit der Vergangenheit einer Person kann eine gewisse Struktur sowie ein Bezug zur Gegenwart geschaffen werden. Das hat auch das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) erkannt und bereits 2019 einen eigenen Expertenstandard zum Thema Demenz veröffentlicht.

Welche weiteren Standards Pflegeeinrichtungen ebenfalls kennen sollten, zeigt die Software „Pflege- und Expertenstandards auf CD-ROM“. Sie enthält vorgefertigte Pflegestandards und Arbeitshilfen, die die Versorgung von Pflegebedürftigen erleichtern.

Wie Pflegekräfte in der Tages- und Altenpflege ein optimales Leistungsangebot erstellen, erfahren diese im „Praxishandbuch Pflegestärkungsgesetz“. Es bietet sofort einsetzbare Schritt-für-Schritt-Anleitungen sowie Arbeitshilfen, um die rechtlichen Vorgaben des SGB XI und des Pflegestärkungsgesetzes korrekt umzusetzen.

Quellen: „Pflege und Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz“, „Tagespflege kompakt“, „Im Dialog mit Sterbenden

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