Städtischer Bauhof: Aufgaben und Pflichten des Bauhofleiters

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Im Normalfall befindet sich in jeder Gemeinde ein städtischer Bauhof – manchmal teilen sich mehrere kleine Gemeinden einen kommunalen Baubetriebshof. Anders als bei privaten Lagerplätzen für Material und Maschinen kommen auf diese Bauhöfe weitere kommunale Aufgabengebiete zu. Über Grünpflege, Straßenerhaltung bis hin zur Verkehrssicherung: all das und viele weitere Teilbereiche des täglichen Lebens in der Region gehören zu diesen Aufgaben. Als Leiter und Hauptverantwortlicher liegen viele Pflichten und Aufgaben in der Hand des Bauhofleiters, der sich sowohl in kaufmännischen als auch personellen und fachlichen Bereichen gut auskennen sollte.

Inhaltsverzeichnis

  1. Der städtische Bauhof – vielfältig qualifizierte Mitarbeitenden
  2. Welche Aufgaben hat die Bauhofleitung?
  3. Exkurs: Vergaberecht im Stadtpflegebereich
  4. Der digitale Bauhof
  5. Alleskönner städtischer Bauhof

Bauhöfe oder Baubetriebshöfe existieren sowohl in privater wie auch in öffentlicher Hand. Hinter kommunalen oder städtischen Bauhöfen verstecken sich meist unterschiedliche Bauhof-Anlagen oder -einrichtungen, die unterschiedliche kommunale Institute beinhalten (z. B. Forstverwaltung, Grünflächenamt, Stadtreinigung etc.). Nicht zuletzt deshalb hat der städtische Bauhof häufig einen alternativen Namen, z.B. Stadtpflegebetrieb oder kommunaler Servicebetrieb. Diese Bezeichnungen lassen Rückschlüsse auf die Vielzahl der unterschiedlichen Arbeiten zu, die auf die Bauhofmitarbeiter zukommen.

Der städtische Bauhof – mit vielfältig qualifizierten Mitarbeitenden

Der etwas salopp formulierte Satz, kein Bauhofmitarbeitender gleiche dem anderen, beschreibt die Realität auf dem Bauhof recht zutreffend. Meistens besteht das Team aus Personen mit unterschiedlichen beruflichen Vorkenntnissen und Qualifikationen.  Zu diesen gehören des Öfteren:

  • Baumkontrolle
  • Spielplatzkontrolle
  • Grünflächenpflege
  • Verwaltungsfachwesen
  • Bauleiter im Straßen- und Tiefbau
  • Streckenkontrolle
  • Erdbaumaschinenführung
  • Ladekranführung
  • Gärtnerwesen

Die Verantwortung für die Belegschaft und die ausgeführten Arbeiten liegt bei der Bauhofleitung. Zwar gibt es keine entsprechende staatliche Berufsausbildung, aber durch private Anbieter kann in Lehrgängen, die oft etwa eine Woche dauern, eine qualifizierte Weiterbildung stattfinden. Darin wird den zukünftigen Bauhofleitern nicht nur grundlegende Fachkenntnisse über die verschiedenen Teilbereiche des Arbeitsalltags vermittelt, sondern sie werden auch auf die Mitarbeiterführung und die verwaltenden Tätigkeiten vorbereitet.

Öffentlicher Dienst – was verdient ein Gemeindearbeiter?

Alle Bauhofmitarbeitende sind Angestellte des öffentlichen Dienstes und unterstehen in Folge verwaltungsrechtlich der zuständigen Kreis- bzw. Regionalverwaltung. Ihre Bezahlung richtet sich nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Diensts der Kommunen (TVöD VKA) – Ausnahmen gelten nur in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen.

Gehört der Bauhof aber z. B. zu den Stadtwerken der betreffenden Kommunen gilt der Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe (TV-V).

Bei Bauhofleitungen besteht oft die Möglichkeit in ein Beamtenarbeitsverhältnis zu treten, dass sich nicht zuletzt durch höhere Entgeltgruppen und eine Pension auszeichnet.

Welche Aufgaben hat ein Bauhofleiter?

Da die unterschiedlichen Aufgabenbereiche von Region und Größe des Bauhofs abhängen, ist es schwierig eine allumfassende Auflistung aller Aufgaben einer städtischen Bauhofleitung zu erstellen.

Neben den bereits erwähnten Arbeitsbereichen im Stadtpflegebetrieb agiert der Bauhofleiter stets als Schnittstelle zwischen der Kreisverwaltung, regionalen Institutionen und privaten Anbietern. Zu den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern gehören z. B.:

  • Park-, Baum- und Spielplatzpflege
  • Friedhofswesen
  • Stadtentwässerung und Gewässerunterhaltung
  • Straßenkontrolle, Straßenunterhaltung, Straßenreinigung und Straßenbeleuchtung
  • Müllentsorgung und Kreislaufwirtschaft

Für die jeweiligen Einsatzfelder werden witterungsabhängig unterschiedlich viele Mitarbeitende, Maschinen und Gerätschaften eingesetzt. Auch diese Art der Auftragsplanung und Arbeitsvorbereitung gehören zu den täglichen Arbeiten des leitenden Bauhofmitarbeiters.

Neben Planung und Umsetzung kommen auf den Leiter eines städtischen Bauhofs Personalanliegen, die Fuhrpark- und Maschinenpflege sowie kaufmännische Arbeiten zu. Die Mitarbeiterversorgung rangiert von Einarbeitungsanweisungen über Personalentwicklung hin zu täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Schichtplanungen, Urlaubsplanungen und Krankheitsvertretungen.

Wie wird man Bauhofleiter?

Wie bereits erwähnt, existiert keine staatliche Ausbildung Bauhofleiter/in. Das kann bei derart vielfältigen Aufgaben und Pflichten zu Problemen führen. Denn das bedeutet, sich in kürzester Zeit eine große Menge Fachwissen aneignen zu müssen. 

Dementsprechend sollten angehende Bauhofleiter auf nichtstaatliche Weiterbildungsangebote zurückgreifen, um bestmöglich auf den Berufseinstieg vorbereitet zu sein. Eine beliebte Möglichkeit ist der Lehrgang zur Bauhofleitung des Fachmagazins der „bauhofLeiter": bestehend aus dem Grundlagenlehrgang und den Erweiterungsmodulen zu Winterdienst und Rufbereitschaft als auch zu Personalführung und -verantwortung, geht dieser Lehrgang über das nötige Grundwissen hinaus und bietet praxisnahe Hilfestellungen. Die Weiterbildungsquote der Absolventen liegt regelmäßig bei 100 Prozent.

Exkurs: Vergaberecht im Stadtpflegebetrieb

In der Regel beginnt das Vergabeverfahren mit der Anfertigung eines Angebots samt Leistungsverzeichnissen, die alle erforderlichen Leistungsdaten zur Genehmigung und Freigabe beinhalten. Bevor die Auftragserteilung stattfinden kann, muss die Kommunalverwaltung einen entsprechenden Maßnahmenantrag bewilligen, damit der Vergabevertrag angefertigt werden kann.

Vergaberecht-Forum-Verlag-Herkert-GmbH

Städtische Ausschreibungen und städtischer Bauhof sind meistens eng miteinander verzahnt.
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Teil der der vorläufigen Vertragsunterlagen sind neben einer Aufforderung zur Angebotsabgabe, die Bewerbungsbedingungen inklusive der Zuschlagskriterien. Zusätzlich liegen meist Formblätter für Mitteilungen und Anträge sowie die Bietergemeinschaftserklärung als auch die Nachunternehmererklärung bei.

Das Vergabeverfahren gliedert sich in drei Teilbereiche:

Vorbereitung Vergabeprozess Nachbereitung
Mittelfreigabe Wertung Logistik-Überwachung
Leistungsverzeichnis Zuschlagserteilung Zwischen- und Endabnahme
Ausschreibung   Reklamationsmanagement
Angebotseröffnung   Lieferschein/ Rechnung

Wertung

Der Wertungsprozess umfasst die Prüfvorgänge der unterschiedlichen Angebote:

  • Formale Prüfung der Angebote
  • Eignungsprüfung der Bieter
  • Wirtschaftliche Prüfung der Angebote
  • Technische Prüfung der Angebote
  • Vergabevorschlag und Kostenberechnung

Nach Ende der Angebotsfrist werden alle eingegangenen Angebote bewertet. Diese Sichtung findet nach dem Vier-Augen-Prinzip statt, um Fehler zu vermeiden.

Das gesamte Vergabeverfahren hat der Auftraggeber lückenlos und schriftlich zu dokumentieren. Anschließend kommt es zur sog. Angebotseröffnung: in Form eines Eröffnungsprotokolls samt Bieterliste mit Gesamtpreisen.

Zuschlagserteilung

Nach der Bewertung erhält ein Angebot den Zuschlag. Dieser Vorgang beinhaltet auch:

  • Vergabevermerk und Ankündigung Zuschlagserteilung
  • Juristische Prüfung
  • Zuschlagserteilung

Wichtig: Angebote mit formellen Mängeln (z. B. falscher Kennzeichnung oder fehlenden Angaben) werde nicht berücksichtigt. Zudem werden alle Bieter einer Eignungsprüfung unterzogen, die die Befähigung zur Auftragsbewältigung feststellen soll.

Der digitale Bauhof

Aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsbereiche, deren Planung, Umsetzung und vor allem der anschließenden Dokumentation ist der bürokratische Verwaltungsaufwand auf städtischen Bauhöfen immens. Für dieses Problem soll die Digitalisierung der bürokratischen Infrastruktur die Lösung bringen.

Vor allem hinsichtlich Budgetverwaltung und -planung steht der Bauhof konstant in Rücksprache mit der Kommunalverwaltung und Kämmerei. In vielen Bundesländern wurde in den letzten Jahren von Kameralistik auf die doppelte Buchführung (Doppik) umgestellt und in diesem Rahmen der Fiskus digitalisiert. Dementsprechend gestaltet es sich für die kommunalen Bauhöfe einfacher, auf die benötigten Konten digital zuzugreifen. 

Welche Software-Programme kommen auf dem Bauhof zum Einsatz?

Auf den meisten Bauhöfen gehören Software-Programme, die die Arbeitszeiterfassung oder das Auftragsmanagement regeln, bereits zur Grundausstattung. 

Die Kunst bei weiterer Digitalisierung liegt darin, nicht zu viele unterschiedliche Programme einzuführen und anschließend bedienen zu müssen. Dennoch liefern einzelne Anwendungen – wie z. B. Maschinensteuerung und -überwachung – erhebliche Arbeitserleichterung.

Aber: auch der Umgang mit digitalen Programmen muss geschult werden – das kostet Zeit und kann in Ausnahmefällen zur Verschlechterung des Betriebsklimas führen, da verschiedene Berufs- und Altersklassen unterschiedlich technologie-affin sind.

Nichtsdestotrotz überwiegen die Vorteile der Digitalisierung des städtischen Bauhofs. Welche Programme und Arbeitshilfen für den eigenen Bauhof hilfreich sein können, muss im Einzelfall ausprobiert und entschieden werden.

Der städtischer Bauhof, ein Alleskönner

Der regionale Bauhof ist für viele der alltäglichen Arbeiten auf öffentlichen Straßen und Flächen innerhalb der Gemeinde verantwortlich. Zwar stehen seine Mitarbeiter nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Ohne sie wäre eine saubere, geordnete und sichere Gemeinschaft aber nicht möglich.

Ebenso wie die Aufgabenbereiche des Bauhofs sind die Zuständigkeitsbereiche des Bauhofleiters und seiner Mitarbeiter äußert divers und vielfältig. Trotzdem – oder gerade deshalb – bietet der kommunale Bauhof unterschiedliche Karrieremöglichkeiten. 

 Quellen: Redaktion „der bauhofLeiter“, stmi-bayern

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