Serielle Sanierung: Ablauf, Kosten & Förderung 2026
20.10.2026 | L. Gschnitzer – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Laut Deutscher Energie-Agentur (dena) verursachen bestehende Gebäude rund ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland. Um die Klimaziele zu erreichen und die Energiekosten dauerhaft bezahlbar zu halten, muss ein Großteil von ihnen bis 2045 saniert werden. Die serielle Sanierung soll das mit vorgefertigten Bauteilen und digitalen Prozessen schneller und planbarer machen. Wie das Verfahren funktioniert, was es kostet und welche Förderung es gibt, lesen Sie hier.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet eine serielle Sanierung?
- Was steckt hinter dem Energiesprong-Prinzip?
- Wie läuft eine serielle Sanierung ab?
- Für welche Gebäude eignet sich die serielle Sanierung?
- Was kostet eine serielle Sanierung?
- Welche Förderung gibt es für die serielle Sanierung?
- Praxisbeispiel: Serielle Sanierung der Chiron-Siedlung in Tuttlingen
- FAQ: häufige Fragen zur seriellen Sanierung
Was bedeutet eine serielle Sanierung?
Eine serielle Sanierung ist eine energetische Sanierung, bei der vorgefertigte Bauteile an bestehende Gebäude montiert werden. Fassaden- und Dachelemente sowie Haustechnikmodule entstehen im Werk. Anschließend werden sie auf der Baustelle nur noch angebracht und angeschlossen.
Ziel der seriellen Sanierung ist es, die Energieeffizienz bestehender Gebäude zu verbessern. Dabei soll sie schneller umgesetzt werden und auf der Baustelle weniger Aufwand verursachen als eine herkömmliche Sanierung.
Übrigens: Ein ähnliches Ziel verfolgt die novellierte EU-Gebäuderichtlinie. Sie soll die Energieeffizienz von Bestandsgebäuden verbessern und deren CO2-Ausstoß senken.
Was steckt hinter dem Energiesprong-Prinzip?
Das Energiesprong-Prinzip ist ein Konzept für die serielle Sanierung, bei dem das Gebäude zunächst digital erfasst und geplant wird. Auf dieser Basis werden Fassadenelemente, Dachelemente mit Photovoltaik und die Haustechnik im Werk vorgefertigt und anschließend am Gebäude montiert.
Damit sollen Gebäude innerhalb weniger Wochen saniert werden. Im Idealfall erreichen sie dann den NetZero-Standard.
→ NetZero bedeutet, dass ein Gebäude im Jahresmittel so viel erneuerbare Energie erzeugt, wie für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt wird. Nach der Sanierung soll das Gebäude also den energetischen Standard eines Nullenergiehauses erreichen.
Wie läuft eine serielle Sanierung ab?
Eine serielle Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip umfasst folgende Schritte:
- Zunächst wird das zu sanierende Gebäude mit einem 3D-Laserscanner digital vermessen.
- Aus den erfassten Daten entsteht ein BIM-Modell, das als Basis für die digitale Planung und modulare Vorfertigung dient.
- Im Werk werden Fassaden- und Dachelemente passgenau für das jeweilige Gebäude hergestellt, einschließlich der Fenster. Idealerweise sind Dämmung und Oberfläche bereits aufgebracht (z. B. Putz oder eine Holzverkleidung).
- Ebenfalls entsteht im Werk ein Energiemodul mit der gesamten Haustechnik. Es kann etwa eine Wärmepumpe, einen Warmwasserspeicher, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie die Elektronik für Photovoltaik und Monitoring enthalten.
- Die fertigen Elemente werden zum Gebäude transportiert und dort montiert. Das Energiemodul wird als Gesamteinheit geliefert und nur noch angeschlossen.
Für welche Gebäude eignet sich die serielle Sanierung?
Serielles Sanieren eignet sich besonders für Gebäude mit folgenden Merkmalen:
- Baujahr: 1950er- bis 1970er-Jahre
- Bauweise: einfache und typenähnliche Struktur
- Energieverbrauch: hoch, etwa 130 kWh/(m2a)
Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur (dena) kommen rund 30 Prozent aller Gebäude in Deutschland für eine serielle Sanierung infrage. Das Spektrum reicht dabei von Mehrfamilienhäusern über öffentliche Gebäude wie Schulen bis zu privaten Einfamilienhäusern.
Wie der Energiebedarf von Gebäuden berechnet wird, lesen Sie in unserem Beitrag „DIN 18599 im Überblick: normative Grundlagen und Anwendung in der energetischen Gebäudebilanzierung“.
Was kostet eine serielle Sanierung?
Laut dena-Leitfaden liegen die Kosten für eine serielle Sanierung von Mehrfamilienhäusern bei rund 1.200 bis 1.860 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Dabei handelt es sich um Kosten vor Abzug von Fördermitteln.
Die Kosten sind damit noch vergleichsweise hoch. Seit den ersten Pilotprojekten sind sie aber bereits um ein Drittel gesunken.
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Welche Förderung gibt es für die serielle Sanierung?
Für die serielle Sanierung gibt es eine eigene Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Dabei handelt es sich um einen Bonus, der unter der Bezeichnung „Serielle Sanierung (SerSan)“ läuft.
Beantragt wird er über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über folgende Programme:
- Kredit 261 (Wohngebäude): bis zu 150.000 € Kredit je Wohneinheit
- Kredit 264 (Kommunen): bis zu 10 Mio. € für Nichtwohngebäude und bis zu 150.000 € je Wohneinheit
- Zuschuss 464 (Kommunen): bis zu 4 Mio. € für Nichtwohngebäude und bis zu 150.000 € je Wohneinheit
Alle Details finden Sie bei der KfW zur seriellen Sanierung.
→ Neben der BEG gab es die „Bundesförderung Serielle Sanierung“. Dieses Förderprogramm ist jedoch zum 31. Dezember 2023 ausgelaufen. Anträge sind nicht mehr möglich. Ob und in welcher Form das Programm fortgesetzt wird, ist nicht bekannt (Stand: Oktober 2026).
Welche Voraussetzungen gelten für den Bonus?
Um den SerSan-Bonus zu erhalten, muss das Gebäude durch die Sanierung eine der folgenden Effizienzhaus- bzw. Effizienzgebäude-Stufen erreichen:
- Effizienzhaus bzw. Effizienzgebäude 40
- Effizienzhaus bzw. Effizienzgebäude 55
- Effizienzhaus bzw. Effizienzgebäude 70
Zusätzlich muss das Gebäude jeweils entweder die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE) oder die Nachhaltigkeits-Klasse (NH) erfüllen.
Außerdem gelten für die Fassaden- und Dachelemente folgende Anforderungen:
- Die Elemente müssen mindestens aus einer im Werk vorgefertigten Tragkonstruktion für die Dämm- und Witterungsebene bestehen, die auf einem 3D-Aufmaß des Gebäudes basiert.
- Mindestens 80 Prozent der wärmeübertragenden Fassadenflächen gegen Außenluft müssen vollständig mit seriell vorgefertigten Elementen saniert werden. Alternativ gilt dieser Anteil für die gesamte Fassade.
- Größe und Form der Elemente dürfen bei der Montage nicht mehr verändert werden.
- Fassadenelemente müssen mindestens so hoch wie die Räume im jeweiligen Geschoss sein. Ausgenommen sind Elemente, die direkt unterhalb von Dachüberständen angebracht werden.
- Enthalten die Elemente Fenster, sind diese oder zumindest ihre Rahmen bereits werkseitig einzubauen.
Wie hoch ist der Bonus für serielle Sanierung?
Der Bonus wird als Tilgungszuschuss gewährt. Er beträgt 15 Prozentpunkte bei den Effizienzhaus- bzw. Effizienzgebäude-Stufen 40 und 55 (jeweils EE oder NH) und 5 Prozentpunkte bei Stufe 70 (EE oder NH).
Gut zu wissen: In der BEG gibt es weitere Boni, etwa für Einzelmaßnahmen nach einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP).
Wie wird eine Förderung beantragt?
Den SerSan-Bonus können Sie nur beantragen, wenn Sie einen Experten für Energieeffizienz einbinden. Zugelassen sind alle, die in der Expertenliste des Bundes bei der dena eingetragen sind.
→ Zur Expertenliste für Energieeffizienz
Praxisbeispiel: Serielle Sanierung der Chiron-Siedlung in Tuttlingen
Wie eine serielle Sanierung in der Praxis aussehen kann, zeigt die Chiron-Siedlung in Tuttlingen. Dort wurden 10 Mehrfamilienhäuser aus dem Jahr 1944 mit insgesamt 55 Wohnungen nach dem Energiesprong-Prinzip saniert.
Ein Blick auf die Projektdaten:
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Bauzeit |
Sommer 2023 bis Frühjahr 2024 |
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Baukosten |
6 Mio. Euro (2,4 Mio. Euro Fördermittel aus der BEG) |
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energetischer Zustand nach der Sanierung |
Effizienzhaus 55 EE |
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verwendetes Material |
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Das Ergebnis des Projekts:
- Die Energieeffizienzklasse hat sich von F auf A verbessert.
- Die CO2-Emissionen wurden um 70 Prozent reduziert.
- Die Heizkosten der Mieter sind um rund 60 Prozent gesunken.
- Die Miete wurde um 1,50 Euro/m2 erhöht, obwohl eine Erhöhung um 5,63 Euro/m2 möglich gewesen wäre. Die Differenz trägt das Wohnungsunternehmen selbst.
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FAQ: häufige Fragen zur seriellen Sanierung
Was bedeutet „Dach seriell sanieren“?
Ein Dach seriell zu sanieren bedeutet, die Dachfläche mit vorgefertigten Dachelementen zu erneuern. Sie entstehen auf Basis der digitalen Gebäudedaten passgenau im Werk, werden anschließend zur Baustelle transportiert und dort am Gebäude angebracht.
Wird die serielle Sanierung auch bei Nichtwohngebäuden gefördert?
Für Kommunen ja: Die KfW-Programme Kredit 264 und Zuschuss 464 fördern ausdrücklich auch die Sanierung von Nichtwohngebäuden zu Effizienzgebäuden.
Quellen: EffizienzBauPraxis: Sonderheft Energetische Gebäudesanierung; https://www.dena.de/infocenter/auf-einen-blick-serielles-sanieren-nach-dem-energiesprong-prinzip/; https://www.energiesprong.de/was-ist-energiesprong/serielles-sanieren/; https://www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Serielles_Sanieren/serielles_sanieren_node.html; https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Bundesförderung-für-effiziente-Gebäude/Serielles-Sanieren/
