Wohnraumlüftung nach DIN 1946-6: Pflichten, Systeme und Wartung

01.06.2026 | L. Gschnitzer – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

Wohnraumlüftung: Blick von innen auf eine breite Holzfensterbank vor einem geöffneten Fenster; gegenüber ist die Fassade eines Nachbargebäudes zu sehen.
© Marco – stock.adobe.com

Moderne Gebäude sind so gut gedämmt, dass kaum noch Luft durchkommt. Das schont die Energiebilanz, schafft aber ein Problem: Feuchtigkeit, CO2 und Gerüche reichern sich in der Raumluft an. Genau hier setzt eine Wohnraumlüftung an. Die DIN 1946-6 bildet dabei den verbindlichen Rahmen. Was die Norm genau regelt, welche Lüftungsstufen es gibt und wie Wohnungslüftungsanlagen zu warten sind, lesen Sie in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Wohnraumlüftung?
  2. Was regelt die DIN 1946-6?
  3. Wann ist ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 notwendig?
  4. Welche 4 Lüftungsstufen gibt es nach DIN 1946-6?
  5. Überblick über Lüftungssysteme
  6. Wartung der Wohnraumlüftungsanlage

Was ist eine Wohnraumlüftung?

Wohnraumlüftung bezeichnet das gezielte, meist mechanisch unterstützte Be- und Entlüften von Wohnräumen, um dauerhaft frische Luft zuzuführen und verbrauchte Luft abzuführen – unabhängig davon, ob die Bewohner aktiv die Fenster öffnen. Ziel ist es, Feuchtigkeit, CO2 und Gerüche abzuführen und für gesunde Raumluft zu sorgen. 

Warum ist Wohnraumlüftung notwendig?

Moderne Gebäude werden so dicht gebaut, dass der natürliche Luftaustausch durch Ritzen und Fugen kaum noch stattfindet. Ohne ausreichende Lüftung steigen Feuchtigkeit, CO₂-Gehalt und Schadstoffkonzentration in der Raumluft stark an – was zu Schimmelbildung, Geruchsbelastung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Einfaches Stoßlüften reicht in gut gedämmten Gebäuden oft nicht aus, um dauerhaften Feuchteschutz zu gewährleisten

Was regelt die DIN 1946-6?

Die DIN 1946-6 ist das zentrale Regelwerk für die Wohnraumlüftung, das im Dezember 2019 in einer aktualisierten Fassung erschienen ist. Sie gilt für die freie und ventilatorgestützte Lüftung von Wohnungen sowie gleichartig genutzten Raumgruppen.

Die Norm verfolgt folgende Ziele:

  • Bestimmung von Grenzwerten und Berechnungsmethoden für die notwendigen Mindestanforderungen beim Luftaustausch
  • Erstellung eines Lüftungskonzepts, um festzustellen, ob für ein Gebäude technische Lüftungsmaßnahmen notwendig sind
  • Bestimmung der Art, wie sich die technische Lüftungsmaßnahme realisieren lässt (manuell oder durch eine Lüftungsanlage)

Wann ist ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 notwendig?

Ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 ist in zwei Fällen verpflichtend:

  • Bei jedem Neubau
  • Bei lüftungstechnisch relevanten Sanierungen von Altbauten

Bei Altbauten ist ein Lüftungskonzept dann notwendig, wenn

  • mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster ausgetauscht,
  • oder mehr als ein Drittel der Dachfläche neu gedämmt wird.

Bei der Erstellung eines Lüftungskonzepts wird zunächst geprüft, ob die natürliche Luftinfiltration ausreicht, um den Feuchteschutz nutzerunabhängig sicherzustellen. Reicht sie nicht aus, folgt die Lüftungsplanung – also die Auswahl eines geeigneten Systems.

Welche 4 Lüftungsstufen gibt es nach DIN 1946-6?

Die DIN 1946-6 unterscheidet vier Lüftungsstufen anhand ihrer Intensität. Diese müssen im Lüftungskonzept einzeln nachgewiesen werden, um einen ausreichenden Luftwechsel bei unterschiedlichen Nutzungsbedingungen zu gewährleisten.

Lüftungsstufe

Zweck

Wie wird gelüftet?

Lüftung zum Feuchteschutz

Schützt die Bausubstanz vor Feuchteschäden und Schimmel

Nutzerunabhängig durch lüftungstechnische Maßnahmen

Reduzierte Lüftung

Sichert hygienische Mindestanforderungen und Gebäudeschutz außerhalb der regulären Nutzungszeiten oder bei Abwesenheit

Weitgehend automatisch, zum Beispiel durch eine dezentrale Lüftungsanlage

Nennlüftung

Gewährleistet gesunde Raumluft bei normaler Nutzung und Anwesenheit der Bewohner

Lüftungsanlage, ergänzt durch regelmäßiges, aktives Stoßlüften

Intensivlüftung

Baut kurzfristige Feuchte- und Schadstoffspitzen ab (zum Beispiel beim gleichzeitigen Kochen, Duschen oder Wäschetrocknen)

Erhöhte Ventilatorleistung oder aktives Stoßlüften

Sonderfall für fensterlose Räume

Für fensterlose Küchen, Bäder und Toilettenräume gilt die DIN 18017-3. Sie schreibt für diese Räume eine ventilatorgestützte Lüftung zum Feuchteschutz vor.

Überblick über Lüftungssysteme

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Wohnraumlüftung: die freie Lüftung und die ventilatorgestützte Lüftung.

Hier ein Überblick über die gebräuchlichen Systeme der Wohnungslüftung:

Art der Wohnraumlüftung

System

Beschreibung

Freie Lüftung

 

Querlüftung (Windlüftung)

Luftaustausch durch Wind über gegenüberliegende Öffnungen

Schachtlüftung (thermische Auftriebslüftung)

Luftaustausch durch thermischen Auftrieb über Lüftungsschächte

Ventilatorgestützte Lüftung

 

 

 

Unterdrucklüftung (Abluftsystem)

Ventilatoren saugen Raumluft ab und erzeugen dadurch Unterdruck

Hybridlüftung (Sonderform der Unterdrucklüftung)

Ventilator unterstützt oder ersetzt die freie Lüftung je nach Bedarf automatisch

Überdrucklüftung (Zuluftsystem)

Zentrale Zuluftanlagen erzeugen Überdruck und versorgen einzelne Räume gezielt mit definierten Mengen an Außenluft

Gleichdrucklüftung (Zu-/Abluftsystem)

Kontrollierte Zu- und Abluft in gleicher Menge

Kontrollierte Wohnraumlüftung 

Eine kontrollierte Wohnraumlüftung gilt heute als Standard  energieeffizienter Neubauten. Ihr Vorteil liegt in der integrierten Wärmerückgewinnung: Ein im Gerät verbauter Wärmetauscher überträgt die Wärme der Abluft auf die zuströmende Außenluft, bevor diese in die Räume gelangt. Moderne Geräte erreichen dabei Wärmerückgewinnungsgrade von über 90 Prozent. Das reduziert Heizwärmeverluste erheblich.

Wartung der Wohnraumlüftungsanlage

Eine regelmäßige Wartung der Wohnungslüftungsanlage sichert die Funktionstüchtigkeit und erhält langfristig den hygienischen Betrieb.

Dabei lassen sich viele Wartungsarbeiten durch den Betreiber selbst durchführen:

  • Sichtprüfung: Ein- bis zweimal jährlich Anlage und Luftleitungen auf Korrosion, Schmutz und mechanische Schäden kontrollieren
  • Filter: Austausch alle 3 bis 6 Monate, abhängig von den Umgebungsbedingungen
  • Wärmetauscher: Bei dezentralen Geräten meist herausziehbar und einfach zu reinigen; Plattenwärmetauscher mit warmem Wasser reinigen; Bei Rotationswärmetauschern auf saubere Trennung achten
  • Kondensatwanne: Sichtprüfung und ggf. Reinigung im Zuge der Wartung des Wärmetauschers
  • Ventile, Abdeckungen, Außenluftgitter: Regelmäßig von Staub und Ablagerungen befreien

Einige Wartungsmaßnahmen erfordern jedoch Fachkenntnis und sollten durch einen Fachhandwerker erfolgen:

  • Ventilatoren: Grundsätzlich durch Filter geschützt, es können sich jedoch langfristig Ablagerungen an Schaufelrädern bilden, die die Effizienz und Laufruhe beeinträchtigen
  • Siphon: Trockensiphons jährlich mit Wasser durchspülen; bei herkömmlichen Siphons sind Sperrhöhen und Wasservorrat regelmäßig zu kontrollieren
  • Luftleitungssysteme: Bei zentralen Anlagen ist eine Sichtprüfung in der Regel ausreichend; Innenreinigungen sind selten erforderlich

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Quellen: „PlanungsPraxis Lüftung in Wohngebäuden“: „Anlagentechnik: Wartung und Instandhaltung einer Wohnraumlüftung“