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Recht auf Reparatur in Deutschland und der EU: Regelungen, Pflichten und Fristen im Überblick

07.10.2026 | J. Jirschik – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

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© Gary – stock.adobe.com

Jeder kennt es: die Gewährleistungspflicht oder Garantie eines Gerätes ist gerade abgelaufen und schon geht es kaputt. In diesem Fall beim Hersteller auf Entgegenkommen zu stoßen war bisher unmöglich. Dabei wollen, laut einer Umfrage, die meisten Verbraucher Geräte lieber reparieren lassen als sie zu ersetzen. Seit Juli 2026 macht das neu beschlossene Gesetz des Bundestages ein Recht auf Reparatur möglich – auch über die bisherigen zwei Jahre gesetzlicher Gewährleistungspflicht hinaus. In diesem Artikel erfahren Sie alles zum neuen Gesetz, geltenden Rechten und Pflichten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet das Recht auf Reparatur?
  2. Recht auf Reparatur? Diese Produkte und Geräte sind betroffen
  3. Fristen im Reparaturrecht
  4. Recht auf Reparatur: Förderung von Reparaturen
  5. Fazit: So verändert die neue Richtlinie zum Recht auf Reparatur die Praxis
  6. FAQ

Was bedeutet das Recht auf Reparatur?

Das neue Recht auf Reparatur, das im Juli 2026 in Kraft trat, hilft Verbrauchern, künftig ihre Ansprüche auch über die zwei Jahre gesetzliche Gewährleistungspflicht und Garantie hinaus gegenüber dem Hersteller durchzusetzen.

Das Ziel: Die Vermeidung von Elektroschrott und maximaler Verbraucherschutz.

2026 macht der Bund Schluss mit der Wegwerfgesellschaft. Bisher waren Verbraucher bei einem minimalen Defekt nahezu zum Neukauf gezwungen. Der Grund: unverhältnismäßig lange Wartezeiten auf Ersatzteile sowie schlechter bis nicht vorhandener Kundenservice.

In Zukunft sind Hersteller zur Reparatur von Geräten verpflichtet, insofern diese finanziell nicht teurer als ein Neukauf ist. Ersatzteile müssen damit in Zukunft stets vorrätig und binnen 15 Werktagen lieferbar sein.

Das sollten Unternehmen jetzt wissen

Vom neuen Gesetz betroffen sind neben Händlern und Verkäufern auch Hersteller und Importeure bestimmter Produktgruppen. Das neue Recht auf Reparatur verändert in Zukunft vor allem den Blick auf die Reparierbarkeit eines Produktes. Kann die Ware mit Kaufvertrag seit 31. Juli 2026 nicht angemessen repariert werden, liegt ein Sachmangel mit Mängelgewährleistungsansprüchen vor.

Wichtig: Bei einem B2B-Geschäft gilt diese Regelung erst für Verträge, die nach dem 31. Dezember 2027 abgeschlossen worden sind.

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Welche Vor- und Nachteile hat das Recht auf Reparatur?

Vorteile

Nachteile

  • verlängerte Gewährleistung um einmalig 12 Monate
  • Recht auf Reparatur über bis zu 10 Jahren nach Produktionsende
  • Verfügbarkeit von Ersatzteilen
  • Schutz von Ressourcen
  • fehlende Preisobergrenze für Reparaturen (Gefahr für Missbrauch)
  • geringer Geltungsbereich (Laptops, Kaffeemaschinen etc. fallen nicht ins neue Gesetz)
  • erhöhter bürokratischer Aufwand
  • Zusatzkosten für Unternehmen

Für welche Produkte / Geräte gilt das Recht auf Reparatur? 

Von dem neuen Recht auf Reparatur sind nicht alle Produktgruppen betroffen. Die Geräte, die für die Nacherfüllung in Frage kommen finden Sie im Anhang II der Richtlinie EU 2024/1799. Dieser kann jederzeit durch die EU-Kommission erweitert werden.

Diese Produkte und Geräte sind betroffen:

  • Waschmaschinen und Waschtrockner
  • Geschirrspüler
  • Kühlgeräte
  • elektronische Displays und Bildschirme
  • Staubsauger
  • Server und Datenspeicherprodukte
  • Mobiltelefone
  • schnurlose Telefone
  • Tablets
  • Produkte mit Batterien für leichte Verkehrsmittel
  • Schweißgeräte

Fristen im Reparaturrecht

Laut neuem Gesetz müssen die Hersteller der genannten Produktgruppen auf Verlangen auch nach Ablauf der Gewährleistungspflicht eine Reparatur veranlassen. Diese sollte kostenfrei oder zu einem angemessenen Preis angeboten werden und zeitnah erfolgen. Im Reparaturangebot des Herstellers müssen folgende Angaben zwingend vorhanden sein:

  • Kosten
  • Reparaturdauer
  • Ersatzteilen
  • Kontaktmöglichkeiten

Transparenz ist der Schlüssel, um gesetzliche Vorgaben zur Zufriedenheit aller Seiten zu erfüllen. Dies kann über vorgefertigte Preislisten auf der Website oder eine Aufzählung vorhandener Ersatzteile erfolgen. Wichtig ist, dass der Verbraucher sofort erkennt, wann die Reparatur zu welchem Preis wie und wo veranlasst wird.

Ab wann gilt das Recht auf Reparatur laut Gesetz

Das Recht auf Reparatur laut neuem Gesetz gilt seit 31. Juli 2026 für alle Kaufverträge, die ab diesem Datum in Kraft getreten sind.

Wie lange gilt das Recht auf Reparatur in der EU?

Die genaue Dauer des Rechts auf Reparatur hängt in der EU von der jeweiligen Produktgruppe ab.

Produktgruppe

Pflicht zur Bereitstellung von Ersatzteilen

Waschmaschinen und Wäschetrockner

10 Jahre

Geschirrspüler und Kühlgeräte

7 bis 10 Jahre

Smartphones und Tablets 

7 Jahre

Fernseher und Monitore

7 Jahre

Die Frist beginnt ab dem Zeitpunkt, zu dem das Modell des Geräts auf den Markt gebracht wurde. Bei einer Reparatur nach Ablauf der Gewährleistungspflicht verlängert diese sich um 12 Monate.

Wichtig: Aktuell stehen Hersteller nicht in der Pflicht, Ersatzteile für Staubsauger, Saugroboter, Akkus, Batterien und Datenspeichergeräte bereitzustellen.

Führt die Reparatur nicht zum erhofften Erfolg, können Verbraucher eine erneute Reparatur verlangen oder sich Teile der Reparaturkosten erstatten lassen. Weigert sich der Hersteller zur Reparatur, haben Verbraucher das Recht, einen anderen Hersteller mit der Reparatur zu beauftragen. Die Kosten dafür dürfen dem ursprünglichen Hersteller in Rechnung gestellt werden, da er seiner Pflicht nicht nachgekommen ist.

Recht auf Reparatur: Förderung von Reparaturen

Reparieren statt ersetzen lautet die neue Devise im Kaufverhalten. Einige Bundesländer sind bereits auf den Reparaturzug aufgesprungen, Tendenz steigend. Während die neue Richtlinie Staaten der EU bereits vorschreibt, dass sie mindestens eine Maßnahme zur Förderung von Reparaturen ergreifen sollen, gibt es diese Verordnung in Deutschland noch nicht.

Dennoch gibt es in einzelnen Bundesländern bereits Kostenerstattungen. Thüringen zahlt bis zu 100 Euro bei Reparaturen von Elektrogeräten. Das Land bezuschusste zwischen 2021 und 2023 bereits über 33.000 Reparaturen. Sachsen gibt sogar bis 200 Euro pro Reparatur dazu und bezuschusste in einem Jahr 20.000 davon.

Fazit: So verändert die neue Richtlinie zum Recht auf Reparatur die Praxis

Bisher haben sich Händler und Hersteller auf der zweijährigen Gewährleistungspflicht ausgeruht. Verstrich diese und trat danach ein Mangel am Gerät auf, wurden Verbraucher in den meisten Fällen rigoros abgewehrt. Dies ist seit dem neuen Recht auf Reparatur, das am 31. Juli 2026 in Kraft trat, nicht mehr möglich. Nun haben Verbraucher jederzeit das Recht auf angemessene Instandsetzung ihrer Elektrogeräte, auch über die gesetzliche Gewährleistungspflicht hinaus. Eine Änderung, die nicht nur dem Verbraucherschutz zugutekommt, sondern der vorzeitigen Verschrottung von Geräten mit geringen Mängeln entgegenwirkt und ihre Lebenszeit erhöht.

FAQ: häufige Fragen zum Recht auf Reparatur

Was regelt die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur?

Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur verpflichtet Hersteller zur Instandsetzung bestimmter Elektrogeräte auch nach Ablauf der Gewährleistung. Wichtig ist die Reparatur zu angemessenem Preis und in angemessener Zeit. Darüber hinaus müssen Ersatzteile für Werkstätten und Verbraucher zugänglich sein.

Wie wird das Recht auf Reparatur in Deutschland umgesetzt?

Deutschland setzt das Recht auf Reparatur seit 31. Juli 2026 durch eine weitreichende Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) um. Seit diesem Zeitpunkt gilt die Reparierbarkeit eines Produkts als rechtlicher Bestandteil der „üblichen Beschaffenheit“.

Welche Rolle spielen Ersatzteile, Reparaturinformationen und Reparaturkosten?

Hersteller sind laut dem Recht auf Reparatur dazu verpflichtet, Ersatzteile und Reparaturinformationen über viele Jahre zu fairen Bedingungen zugänglich machen. Das neue Gesetz verbietet Software-Sperren oder den Einsatz von minderwertigen 3D-Druck-Komponenten. Dies stellt sicher, dass auch unabhängige Reparaturbetriebe konkurrenzfähig arbeiten können. Die Reparaturen müssen kostenfrei oder zu erschwinglichen Preisen getätigt werden, welche die Instandsetzung deutlich attraktiver als einen Neukauf macht.

Gilt das Recht auf Reparatur für Smartphones, Haushaltsgeräte oder andere Elektrogeräte?

Das Recht auf Reparatur gilt sowohl für Smartphones und Tablets als auch für große Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlschränke. Auch Fernseher, Monitore und Staubsauger sind im neuen Recht enthalten. In Zukunft soll diese Liste durch die EU schrittweise erweitert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Gewährleistung, Garantie und Recht auf Reparatur?

Die gesetzliche Gewährleistung ist ein Käuferrecht, dass es Verbrauchern ermöglicht, Nacherfüllung für Produkte zu verlangen, bei denen der Mangel bereits beim Kauf bestand. Garantie ist ein freiwilliges Versprechen des Herstellers für die Haltbarkeit innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Das Recht auf Reparatur geht über beides hinaus. Es ermöglich dem Verbraucher das Verlangen der Reparatur auch über die gesetzliche Gewährleistungspflicht und Garantie hinaus und nimmt Hersteller in die Pflicht, reparierbare Geräte zu liefern und Ersatzteile jederzeit bereitzustellen. Allerdings gilt das Recht zur Reparatur – entgegen Gewährleistung und Garantie – nur für bestimmte Produktgruppen.

Quellen: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/reparatur-haushaltsgeraetegewaehrleistung-100.html; https://www.ihk-muenchen.de/ratgeber/recht/vertragsrecht/recht-auf-reparatur/; https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/recht-auf-reparatur-mehr-rechte-seit-31-juli-2026-124253