Case Management Pflege: Definition, Phasen und Beispiele
24.02.2026 | T. Reddel – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Im Pflegealltag treffen komplexe Bedarfe auf begrenzte Ressourcen. Pflegeeinrichtungen stehen vor der Aufgabe, eine lückenlose und effiziente Versorgung zu organisieren. Das Case Management bietet hierfür ein strukturiertes Instrument mit klaren Rollen und Abläufen. Doch was genau ist darunter zu verstehen und wie läuft ein erfolgreiches Case Management in der Pflege ab?
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Case Management in der Pflege? – Definition
- Was macht man beim Case Management? – Aufgaben
- Welche Phasen gibt es im Case Management?
- Fallbeispiel für die Praxis
- Weiterbildung für Pflegekräfte
- Fazit
Was ist Case Management in der Pflege? – Definition
Das Case Management beschreibt die Organisation und Betreuung pflegerischer Versorgungsbedarfe. Im Mittelpunkt steht der einzelne Fall, also eine pflegebedürftige Person mit komplexem Unterstützungsbedarf. Neben körperlichen Einschränkungen werden dabei auch psychosoziale Faktoren, das familiäre Umfeld sowie vorhandene Ressourcen der Betroffenen berücksichtigt.
Dieser systematische Prozess soll Pflegebedürftige bei komplexen Behandlungsverfahren unterstützen und nach dem Entlassungsmanagement eine einrichtungsübergreifende Versorgung ermöglichen. Er beinhaltet beispielsweise den Kontakt zu Kliniken, Sozialdiensten und Kostenträgern, damit die Betroffenen zur passenden Zeit die passende Unterstützung erhalten. Um diese Aufgaben kümmern sich idealerweise speziell weitergebildete Case Managerinnen und Case Manager.
Insgesamt lässt sich die Qualität des Case Managements, ähnlich wie bei Expertenstandards, in drei Bereiche unterteilen:
| Strukturqualität |
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| Prozessqualität |
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| Ergebnisqualität |
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Welche Punkte bei der Zielerreichung unter anderem berücksichtigt werden, zeigt der folgende Abschnitt.
Welche Ziele verfolgt das Case Management in der Pflege?
Das Case Management in der Pflege dient vorrangig dem folgenden Zweck:
- Überflüssige Krankenhausaufenthalte und Mehrfachuntersuchungen vermeiden.
- Ambulante über stationäre Behandlung priorisieren (Ambulantisierung).
- Engeren Austausch mit Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Leistungserbringenden fördern.
- Individuelle Wünsche der Patientinnen und Patienten einbeziehen.
- Gemeinsame und längerfristig geplante pflegerische Versorgung durch spezialisierte ambulante Versorgungseinrichtungen ermöglichen.
Was macht man beim Case Management? – Aufgaben
Zum Case Management gehören sämtliche Aufgaben, die die pflegerische Versorgungs- und Betreuungssituation einer Person verbessern.
Beispiele hierfür sind:
- Fortlaufende Analyse des Unterstützungsbedarfs und der Ressourcen der pflegebedürftigen Person.
- Erstellung eines analytischen Versorgungsplans auf Basis der erfassten Pflegedaten zur Organisation einer präventiven, kurativen oder rehabilitativen Betreuung.
- Kommunikation mit allen an der medizinischen Betreuung Beteiligten (etwa Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Sozialdienst des Krankenhauses, Pflegeberatende der Pflegekassen).
- Sicherung der Bereitstellung der erforderlichen Daten und Dienstleistungen.
- Monitoring und Evaluation der geplanten Unterstützungsmaßnahmen.
- Dokumentation und Qualitätssicherung zur Weiterentwicklung interner Strukturen.
Diese Aufgaben betreffen alle Bereiche des individuellen Versorgungskontinuums – sei es in chronischen Krankheitsphasen oder zur Prävention, im Krankenhaus, in ambulanten Diensten, in Rehabilitationseinrichtungen oder in Hospizen.
Für eine strukturierte Arbeitsweise lassen sich die Tätigkeiten des Case Managements in mehrere Phasen unterteilen.
Welche Phasen gibt es im Case Management?
Idealerweise orientiert sich das Case Management in der Pflege an den Phasen des Pflegeprozesses:
| 1. Informationssammlung |
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| 2. Probleme und Ressourcen |
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| 3. Ziele festlegen |
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| 4. Maßnahmenplanung |
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| 5. Durchführung |
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| 6. Evaluation |
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Die dazugehörige Dokumentation des Case Managements kann beispielsweise wie folgt aufgebaut sein:
- Stammdaten
- Assessment (RAI, Barthel-Index etc.)/Erhebungsbogen
- Berichtbogen des Besuchs
- Planung
- Folgedokumentation (Evaluationsbogen)
- Abschlussbericht
Fallbeispiel für die Praxis
Folgendes Fallbeispiel zeigt, wie ein gelungenes Case Management in der Pflege aussieht:
Beispiel für Case Management
Eine ältere Patientin erleidet einen Schlaganfall. Nach dem Krankenhausaufenthalt besteht hoher Unterstützungsbedarf. Die Angehörigen fühlen sich überfordert. Mehrere Parteien sind beteiligt: Klinik, ambulanter Pflegedienst, Physiotherapie und Hausärztin.
Die verantwortliche Case Managerin analysiert zunächst die Situation. Sie erfasst Mobilität, kognitive Einschränkungen und Wohnsituation der Betroffenen. Anschließend definiert sie gemeinsam mit den Beteiligten konkrete Ziele und Maßnahmen:
- Erhalt der Mobilität:
- Organisation regelmäßiger physiotherapeutischer Behandlungen und Übungen zum Erhalt der Mobilität
- Abstimmung eines individuellen Bewegungsplans mit dem Pflegedienst
- Beantragung und Bereitstellung geeigneter Hilfsmittel wie Rollator oder Gehstock
- Vermeidung von Stürzen:
- Durchführung eines strukturierten Sturzrisiko-Assessments
- Anpassung der Beleuchtung in Flur und Bad
- Entlastung der Angehörigen:
- Organisation eines ambulanten Pflegedienstes für Grund- und Behandlungspflege
- Information über Pflegegrade und Unterstützung bei der Antragstellung
So koordiniert die Case Managerin die Hilfsmittelversorgung, organisiert einen barrierefreien Umbau und plant regelmäßige Therapietermine. Während des Monitorings stellt sie fest, dass sich der Gesundheitszustand verbessert. Die Patientin gewinnt mehr Selbstständigkeit und die Angehörigen berichten von spürbarer Entlastung.
→ Ohne die strukturierte Koordination des Case Managements hätten Informationsverluste und Verzögerungen die Versorgung erschwert.
Dieses Beispiel zeigt, wie das Case Management Prozesse bündeln und Versorgungslücken schließen kann. Um dieser Rolle gerecht zu werden, sind jedoch spezielle Kompetenzen erforderlich, etwa durch Weiterbildungen.
Weiterbildung für Pflegekräfte
Für das Case Management in der Pflege gibt es spezielle Weiterbildungen. Die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) gibt Richtlinien zur Weiterbildung Case Management in der Pflege vor. Es gibt jedoch keine allgemeine Ausbildungs- oder Prüfungsordnung und der Begriff „Case Managerin“ ist nicht geschützt. Dafür bieten öffentliche Hochschulen und private Unternehmen berufsbegleitende Kurse an, mit denen sich Pflegekräfte und andere Interessierte weiterbilden können.
Generell sollten Angestellte im Gesundheitswesen ihr Fachwissen regelmäßig auffrischen und erweitern. So bleiben sie über neue medizinische Erkenntnisse und aktuelle Anforderungen an die professionelle Pflege informiert.
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Fazit
Das Case Management ist ein zentrales Instrument zur Steuerung komplexer Versorgungsprozesse in der Pflege. Es verbindet Analyse, Planung, Koordination und Evaluation. Die Ziele reichen von Qualitätssicherung über Ressourceneffizienz bis hin zur Stärkung der Selbstständigkeit pflegebedürftiger Menschen. Pflegekräfte und Pflegedienstleitungen profitieren von transparenten Prozessen, verbesserter Kommunikation und höherer Versorgungssicherheit.
Entsprechende Praxisbeispiele zeigen, wie eine strukturierte Koordination Versorgungsbrüche verhindern und Angehörige entlasten kann. Gleichzeitig wird das Case Management in der Pflege angesichts steigender Komplexität im Gesundheitswesen immer wichtiger. Weiterbildungen zu verschiedenen Pflegekompetenzen helfen, die Fachkenntnisse und organisatorische Stärke von Pflegekräften zu fördern. So sichern die jeweiligen Einrichtungen auch langfristig ihre Qualität und Professionalität.
Quellen: „Praxishandbuch Pflegestärkungsgesetz“, Software „Pflege- und Expertenstandards“