Neufassung der TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“: Bedeutung, Änderungen und Gefährdungsbeurteilung

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Am 27.10.2020 sind Neuerungen in der TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ erschienen. Sicherheitsverantwortliche im Arbeitsschutz müssen diese Änderungen und grundlegenden Inhalte der TRGS 900 kennen, um den Gesundheitsschutz der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Aktuelle Änderungen der TRGS 900

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat zuletzt am 27.10.2020 eine aktualisierte Fassung der TRGS 900 veröffentlicht. Zuvor waren am 02.10. Änderungen in der Technischen Regel erschienen.

Zusammengefasst hat das BMAS im Oktober 2020 folgende Neuerungen zur TRGS 900 herausgegeben:

Datum

Änderung

Stelle in der TRGS
02.10.2020
  • Geänderte Bedeutung des Kürzels „H“ in der Grenzwert-Tabelle:
    Mit „H" markierte Stoffe sind gem. § 4 GefStoffV als gesundheitsschädigend einzustufen, wenn sie die Haut berühren. Die Regel erneuert die akut toxischen und spezifisch zielorgantoxischen Kategorien.
Nummer 2.6 Abs. 3, Nr. 2
  • Weitere Abkürzungen, Symbole, Ziffern und Erläuterungen:
    Mischexposition mit Eisenverbindungen (Fe-NTA-Bildung).
Nummer 3 (Liste der Grenzwerte)
  • Die Tabelle zu Arbeitsplatzgrenzwerten ändert bzw. ergänzt sich um weitere Gefahrstoffe.
  • Neue Einträge im Verzeichnis der CAS-Nummern. 
Nummer 4 (Verzeichnis der CAS-Nummern)
27.10.2020
  •  Zusätzliche Abkürzungen, Symbole, Ziffern und Erläuterungen:
    Formale Umsetzung der Richtlinie 2019/1831/EU und der Richtlinie 2019/130/EU.

Nummer 3 (Liste der Grenzwerte)

  • Weitere bzw. geänderte Gefahrstoffe in der Grenzwert-Tabelle.
  • Neue Verzeichnisse bei den CAS-Nummern. 

Nummer 4 (Verzeichnis der CAS-Nummern)

Neben der TRGS 900 müssen Sicherheitsverantwortliche andere Regeln wie die TRGS 903 „Biologische Grenzwerte“ berücksichtigen. Auch diese hat das BMAS erst 2020 aktualisiert. Umso wichtiger ist es, dass sich Verantwortliche im Arbeitsschutz regelmäßig über Neuerungen von Technischen Regeln informieren.

Einen Überblick über aktuell geänderte TRGS mit ausführlichen Erläuterungen zu ausgewählten Technischen Regeln finden Sicherheitsverantwortliche im Praxishandbuch „Die Gefahrstoffverordnung“. Sie erhalten mit dem Werk zusätzliche Handlungsempfehlungen sowie Arbeitshilfen für die reibungslose Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen im Betrieb. 

TRGS 900: Bedeutung

Die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 900 gehört zu den Technischen Regeln des Ausschusses für Gefahrstoffe. Sie beinhaltet den aktuellen Stand der Technik, Arbeitsmedizin und anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Merkmal der TRGS 900 sind die konkreten Grenzwerte für Arbeitsstätten. Als Arbeitsplatzgrenzwerte gelten gem. Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) die Werte, die die durchschnittliche Luftkonzentration eines Stoffes am Arbeitsplatz aufzeigen. 

Das Einhalten der Grenzwerte soll die Beschäftigten vor Gefährdungen durch orale Exposition mit Gefahrstoffe schützen.

Herausgeber der TRGS 900

Für die Inhalte der TRGS 900 ist der Ausschuss für Gefahrstoffe zuständig. Er erstellt die Grenzwerte der Technischen Regel und passt sie ggf. an neue Entwicklungen an. Nach Zusammenstellen der Werte veröffentlicht das BMAS die Technische Regel im Gemeinsamen Ministerialblatt.

Zusätzlich publiziert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Regel auf Ihrer Website, ebenso wie die aktuellen Neuerungen.

Tabelle zu Arbeitsplatzgrenzwerten und Kurzzeitwerten

Hauptbestandteil der TRGS 900 ist eine Übersicht der Arbeitsplatzgrenzwerte und Kurzzeitwerte zu verschiedenen chemischen sowie biologischen Gefahrstoffen. Die Stoffe sind nachfolgenden Kriterien sortiert:

  • Alphabetische Reihenfolge anhand chemischer Bezeichnungen der Gefahrstoffe
  • EG-Nummer: Registriernummer des „European Inventory of Existing Chemical Substances“
  • Listen-Nummer: Zuordnung von Nummern aus Vorregistrierung oder Registrierung gem. „EU-REACH-Verordnung“.
  • CAS-Nummer: Registriernummer des „Chemical Abstract Service“

Grundsätzlich gelten alle Arbeitsplatzgrenzwerte aus der TRGS 900 als Schichtmittelwerte. Sie richten sich nach einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 8 Stunden täglich an 5 Arbeitstagen pro Woche.

Formel für Arbeitsplatzgrenzwerte

Als Einheit listet die Technische Regel die Arbeitsplatzgrenzwerte sowohl in ml/m3 als auch in mg/m3 auf. Allerdings müssen Sicherheitsverantwortliche das Volumen (ml) des Dampfes berücksichtigen, nicht das der Flüssigkeit.

Um die Einheiten umzurechnen, stellt die TRGS 900 folgende Formel auf:

Formel-TRGS-900-Arbeitsplatzgrenzwerte-Berechnung

Das Ergebnis der Formel gilt bei einer Temperatur von 20 °C und einem Druck von 101,3 kPa. Neben dieser Formel gibt es noch eine zusätzliche Formel für Kohlenwasserstoffgemische.

Arbeitsplatzgrenzwerte für Kohlenwasserstoffgemische

Die TRGS 900 stellt spezielle Anforderungen an Kohlenwasserstoffgemische. Die Gemische zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • C-Zahlen bis C14
  • Siedebereich bis ca. 250 °C
  • Benzolgehalt: < 0,1 Gew.-%
  • Keine kohlenwasserstofffremden Additive.

Für solche Kohlenwasserstoffgemische gibt die Technische Regel eine gesonderte Formel vor. Sie lautet:

Formel-TRGS-900-Arbeitsplatzgrenzwerte-Kohlenwasserstoffgemische

In der Formel bedeuten die einzelnen Bestandteile:

AGWGemisch
  • Arbeitsplatzgrenzwert des Kohlenwasserstoffgemischs.
Fraktiona,b…n
  • Massenanteil (w/w) der jeweiligen RCP-Gruppe
    des Kohlenwasserstoffgemisches.

 AGWa,b…n
  • Gruppengrenzwert der jeweiligen Fraktion (a, b…..n) oder
  • RCP-Grenzwert des Kohlenwasserstoffgemisches oder
  • stoffspezifischer Arbeitsplatzgrenzwert.

Die Formel greift auch für solche Kohlenwasserstoffe, denen in der Liste der TRGS 900 bereits ein spezifischer Arbeitsplatzgrenzwert zugewiesen ist.

Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 900 erstellen

Sicherheitsverantwortliche nutzen die Arbeitsplatzgrenzwerte aus der TRGS 900, um festzustellen, ob Gefahrstoffe die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz beeinträchtigen. Die Erkenntnisse aus der Analyse hat der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung gem. § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) zu berücksichtigen.

Speziell bei der Gefährdung durch Gefahrstoffe müssen Verantwortliche folgende Faktoren aus der TRGS 900 berücksichtigen:

  • unterschiedliche Eigenschaften der einzelnen Gefahrstoffe

Beim Beurteilen der Gefährdungen müssen Verantwortliche nicht nur die riskante Wirkung der einzelnen Stoffe beachten, sondern auch Konzentration, Expositionszeit und Partikelgestalt. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Beschäftigten i. d. R. nur einen kleinen Teil der Gesamtpartikelmenge einatmen.

  • Gefährdungen durch Staub, Rauch und Nebel

Die TRGS 900  bezieht sich bei ihren Grenzwerten v. a. auf Gefährdungen durch Schwebstoffe. Die Eigenschaften von Schwebstoffen wie Staub, Rauch und Nebel sind in der Technischen Regel jedoch allesamt unterschiedlich beschrieben.

Die Technische Regel definiert die einzelnen Begriffe wie folgt:

Begriff

Definition nach TRGS 900

Staub

Feste Stoffe, die sich in der Luft fein zerstreuen und durch mechanische Prozesse oder Aufwirbelung entstehen.

Rauch

Feste Stoffe, die sich in der Luft verteilen und durch thermische und/oder chemische
Prozesse aufkommen.

Nebel Flüssige Stoffe, die sich in der Luft ausbreiten und durch Kondensation oder Dispersion hervortreten.
  • Konzentrationsschwankungen der Gefahrstoffe

So schnell sich die generelle Zusammensetzung der Atemluft in Arbeitsstätten ändert, so unterschiedlich hoch ist auch der Anteil von Gefahrstoffen in der Luft über längere Zeit. Zur Orientierung teilt die TRGS 900 den einzelnen Gefahrstoffen neben den Arbeitsplatzgrenzwerten auch Kurzzeitwerte zu. Die Kurzzeitwerte ergeben sich aus dem jeweiligen Arbeitsplatzgrenzwert und dem Überschreitungsfaktor des Grenzwerts. Der Faktor kann zwischen 1 und 8 liegen.

  • hautresorptive Stoffe

Bei Gefahrstoffen, die die Beschäftigten leicht durch die Haut aufnehmen können (=hautresorptiv), müssen Sicherheitsverantwortliche nicht nur die Arbeitsplatzgrenzwerte beachten. Um den Gesundheitsschutz der Beschäftigten vollumfänglich zu gewährleisten, gilt bei hautresorptiven Stoffen zusätzlich die TRGS 401 „Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“. Hautresorptive Stoffe sind in der Liste der TRGS 900 mit einem „H“ markiert.

Quellen: TRGS 900, baua.de, „Die Gefahrstoffverordnung“

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TRGS Gefahrstoffe

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