DIN 14675 einfach erklärt: Was die Norm für Brandmeldeanlagen regelt
21.10.2026 | L. Gschnitzer – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Für viele Gebäude ist eine Brandmeldeanlage Pflicht, etwa wenn das Bauordnungsrecht sie für Sonderbauten vorschreibt oder das Brandschutzkonzept sie vorsieht. Damit diese Anlagen im Ernstfall zuverlässig funktionieren, gibt es die DIN 14675. Sie regelt, wie solche Anlagen aufgebaut und betrieben werden und welche Anforderungen Fachfirmen erfüllen müssen. Doch was genau schreibt die Norm vor? Und wer muss sich nach DIN 14675 zertifizieren lassen?
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die DIN 14675?
- Wann hat die DIN 14675 baurechtlich verbindlichen Charakter?
- Worin unterscheiden sich DIN 14675-1 und DIN 14675-2?
- Welche Phasen gibt es in der DIN 14675?
- Welche Anforderungen stellt die DIN 14675 an Brandmeldeanlagen?
- Welche Pflichten haben Betreiber einer Brandmeldeanlage?
- Wer benötigt eine Zertifizierung nach DIN 14675?
- FAQ: häufige Fragen zur DIN 14675
Was ist die DIN 14675?
Die DIN 14675 ist die zentrale deutsche Normenreihe für Brandmeldeanlagen (BMA) und Sprachalarmanlagen (SAA) in Gebäuden. Sie regelt, wie diese Anlagen aufgebaut und betrieben werden.
Dabei berücksichtigt sie besonders bauordnungsrechtliche Vorgaben und feuerwehrspezifische Anforderungen.
Wann hat die DIN 14675 baurechtlich verbindlichen Charakter?
In der Regel wird die DIN 14675 verbindlich, sobald ein Bauvorhaben auf sie verweist.
Baurechtlich relevant ist dabei vor allem das Brandschutzkonzept. Wenn es eine Brandmeldeanlage vorsieht, wird diese zur bauordnungsrechtlichen Auflage. Als maßgebliches Regelwerk für die Anlage gelten dann die DIN 14675 und die DIN VDE 0833-2.
Daneben kann die Norm auf anderem Weg verbindlich werden, etwa über:
- Ausschreibungen
- die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) der örtlichen Feuerwehr
Worin unterscheiden sich DIN 14675-1 und DIN 14675-2?
Seit 2018 besteht die DIN 14675 aus zwei Teilen:
- DIN 14675-1 (Aufbau und Betrieb) legt fest, welche Anforderungen an die Anlage selbst gelten, also an Brandentdeckung, Brandmeldung und Feueralarmierung.
- DIN 14675-2 (Anforderungen an die Fachfirma) regelt, wie Fachfirmen ihre Kompetenz für die einzelnen Phasen nachweisen, die sie übernehmen.
Welche Ausgabe gilt aktuell?
Aktuell gelten die DIN 14675-1:2020-01 und die DIN 14675-2:2020-01 (Stand: Oktober 2026). Sie ersetzten die Fassungen vom April 2018.
Inhaltlich hat sich mit der Ausgabe 2020 wenig geändert. Vor allem wurden Verfahren genauer beschrieben, Abkürzungen ergänzt und Normhinweise gestrichen.
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Welche Phasen gibt es in der DIN 14675?
Die DIN 14675-1 teilt Aufbau und Betrieb einer Brandmeldeanlage in neun Phasen ein:
|
Phase |
Abschnitt in Norm |
Was sind die Aufgaben? |
Wer ist zuständig? |
|
Brandmelde- und Alarmierungskonzept |
5 |
Schutzziele für die BMA/SAA aus dem Brandschutzkonzept übernehmen, dabei unter anderem Behördenauflagen, Brandrisiko und Alarmorganisation berücksichtigen |
Ingenieurbüro, Fachfirmen, Auftraggeber |
|
Planung |
6.1 |
Entwurfsplanung, Funktionen, Bestandteile, Leistungsverzeichnis |
Ingenieurbüro, Fachfirmen |
|
Projektierung |
6.2 |
Werk- und Montageplanung aufgrund des ausgewählten BMS |
Ingenieurbüro, Fachfirmen |
|
Montage |
7 |
Komponenten einbauen, befestigen und anschließen |
Fachfirmen |
|
Inbetriebsetzung |
8 |
Installation überprüfen, System parametrieren und einschalten, Messungen durchführen |
Fachfirmen |
|
Überprüfung |
8.2, 9.2, 9.3 |
Kontrolle, ob die Anlage alle Vorgaben aus den vorherigen Phasen erfüllt |
Fachfirmen, Ingenieurbüro |
|
Abnahme |
9 |
Übergabe der Anlage; Betreiber nimmt sie in Betrieb |
Auftraggeber/Betreiber, Fachfirmen |
|
Betrieb |
10 |
Anlage betreiben, Alarmorganisation fortschreiben, Feuerwehrlaufkarten aktualisieren |
Auftraggeber/Betreiber |
|
Instandhaltung |
11 |
Vorbeugende Maßnahmen und Fehlerbehebung, damit die Anlage funktionsfähig bleibt |
Fachfirmen |
→ Für jede Phase muss festgelegt und dokumentiert sein, wer verantwortlich ist. Teilen sich mehrere Firmen die Phasen, sind die Schnittstellen eindeutig zu definieren.
Welche Anforderungen stellt die DIN 14675 an Brandmeldeanlagen?
Schutzziele einer BMA
Nach DIN 14675-1 soll eine Brandmeldeanlage dazu beitragen, dass
- Brände schon beim Entstehen erkannt werden,
- Menschen im Gebäude schnell gewarnt werden,
- Brandschutz- und Betriebseinrichtungen automatisch angesteuert werden,
- Feuerwehr oder andere Hilfskräfte ohne Verzögerung alarmiert werden, und
- der Gefahrenbereich eindeutig angezeigt wird.
Brandmelde- und Alarmierungskonzept
Bevor die Planungsphase beginnt, braucht jede Brandmeldeanlage ein Brandmelde- und Alarmierungskonzept. Dieses erstellt ein zertifizierter Fachplaner.
Für die BMA müssen folgende Punkte festgelegt werden:
- Welcher Bereich soll überwacht werden und wie werden sie in Meldebereiche aufgeteilt?
- Welche Typen von Brandmeldern müssen wo eingebaut werden?
- Welche Alarmierungseinrichtungen sind nötig?
- Welche Leistungsmerkmale müssen für die Brandmeldezentrale beachtet werden?
- Welche Anforderungen bestehen an den Standort und die Zugänglichkeit?
- Welche zusätzlichen technischen Einrichtungen müssen angesteuert werden? (zum Beispiel Feuerschutzabschlüsse oder Löschanlagen)
- Wer muss beim Betreiber alarmiert werden? (zum Beispiel Brandschutzbeauftragter)
- Welche Notfallunterlagen sind notwendig? (zum Beispiel Alarmpläne, Feuerwehrpläne und Feuerwehrlaufkarten)
- Wie wird die Feuerwehr alarmiert und wie erreichen ihre Einsatzfahrzeuge das Gebäude?
Kategorien
Wie viel vom Gebäude die BMA überwachen soll, legt die Norm über vier Kategorien fest:
- Kategorie 1: Vollschutz
- Kategorie 2: Teilschutz
- Kategorie 3: Schutz der Flucht- und Rettungswege
- Kategorie 4: Einrichtungsschutz
Alarmierung und Feuerwehrperipherie
Neben dem Erkennen eines Brandes ist die sichere Alarmierung eine Kernaufgabe der BMA. Die Norm unterscheidet zwei Arten:
- Fernalarm: Brand- und Störungsmeldungen werden über eine Übertragungseinrichtung und eigens dafür vorgesehene Übertragungswege automatisch weitergeleitet (z. B. an die Feuerwehr).
- Internalarm: Er warnt die Personen im Gebäude über akustische und ggf. optische Signalgeber. Art und Umfang legt der Betreiber je nach Nutzung des Gebäudes fest. Die Alarmsignale müssen sich dabei deutlich von betrieblichen Signalen unterscheiden.
Zur Feuerwehrperipherie gehören unter anderem. das Feuerwehr-Bedienfeld nach DIN 14661 und das Feuerwehr-Anzeigetableau nach DIN 14662. Montage, Anordnung, Betrieb und Instandhaltung dieser Geräte müssen sichergestellt sein.
Welche Pflichten haben Betreiber einer Brandmeldeanlage?
Mit der Abnahme einer Brandmeldeanlage geht die Verantwortung für die BMA auf den Betreiber über. Er ist dafür zuständig, dass sie ordnungsgemäß betrieben wird.
Zu seinen wichtigsten Pflichten gehören:
- Anlage ständig einsatzbereit halten
- Eingewiesene Person für die BMA benennen und entsprechend qualifizieren
- Inspektion und Wartung regelmäßig veranlassen
- Funktionale Kette der Brandfallsteuerungen mindestens alle drei Jahre prüfen und dokumentieren lassen
- Alarmorganisation fortschreiben und Feuerwehrlaufkarten aktuell und vollständig halten
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Wer benötigt eine Zertifizierung nach DIN 14675?
Eine Zertifizierung nach DIN 14675 brauchen Fachfirmen, die eine BMA oder SAA planen, errichten oder instand halten. Sie lassen sich dafür bei einer von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassenen Stelle zertifizieren.
Das Zertifikat gilt höchstens 4 Jahre. Die Zertifizierungsstelle überprüft die Leistungen der Fachfirma alle 2 Jahre.
Hinweis: Betreiber selbst brauchen keine Zertifizierung.
Welche Anforderungen stellt die DIN 14675 an Fachfirmen?
Die DIN 14675-2 legt fest, wie Fachfirmen nachweisen, dass sie für die übernommenen Phasen die nötige Kompetenz besitzen.
Die Nachweise der Anforderungen gliedern sich in folgende Bereiche:
- Anforderungen an die Fachfirma: zum Beispiel ein geeignetes Qualitätsmanagementsystem, eine Haftpflichtversicherung sowie Liefer- und Schulungszusagen des Systemanbieters
- Anforderungen, die am Firmenstandort geprüft werden: zum Beispiel Zugriff auf aktuelle Normen und technische Unterlagen
- Anforderungen an die verantwortliche Person: eine passende Berufsausbildung (zum Beispiel als Techniker oder Ingenieur) und eine bestandene Prüfung nach DIN 14675
FAQ: häufige Fragen zur DIN 14675
Was kostet eine Zertifizierung nach DIN 14675?
Die Kosten einer DIN 14675-Zertifizierung richten sich nach den Gebühren der jeweiligen Zertifizierungsstelle. Die VdS-Zertifizierungsstelle etwa übersendet ihre Gebührentabelle auf Anfrage.
Welche Rolle spielen die örtlichen Anschlussbedingungen der Feuerwehr (TAB)?
Die TAB legen fest, unter welchen Bedingungen eine Brandmeldeanlage bei der örtlichen Feuerwehr aufgeschaltet werden darf. Sie gelten immer nur für den jeweiligen Standort. Verweisen sie auf die DIN 14675, wird die Norm dort verbindlich. Häufig schreiben die TAB vor, dass nur nach DIN 14675 zertifizierte Fachfirmen die Anlage planen, errichten und instand halten dürfen.
DIN 14675 und DIN VDE 0833: Was ist der Unterschied?
Für Brandmeldeanlagen sind die Normen DIN 14675 und DIN VDE 0833 maßgeblich. Sie unterscheiden sich folgendermaßen:
- DIN 14675: Sie regelt den Rahmen, wie eine BMA unter baurechtlichen und feuerwehrspezifischen Anforderungen aufgebaut und betrieben wird. Für technische Details verweist sie auf andere Normen, darunter die DIN VDE 0833.
- DIN VDE 0833: Diese Normenreihe gilt für Gefahrenmeldeanlagen (Anlagen für Brand, Einbruch und Überfall). Für Brandmelde- und Sprachalarmanlagen sind Teil 1, Teil 2 und Teil 4 relevant.
Quellen: Brandmeldeanlagen nach DIN 14675 und DIN VDE 0833; https://www.dinmedia.de/de/norm/din-14675-1/310931928; https://www.dinmedia.de/de/norm/din-14675-2/311062925; https://www.din-14675.info/din-14675/zertifizierung-von-fachfirmen; https://shop.vds.de/download/vds-3160/0effda74-4495-4f79-b3ad-7512db988831; https://www.vaz-ev.de/images/arge14675/DIN_14675_DIN_EN_16763_verpflichtende_Ergaenzungen_zum_Zertifizierungsprogramm_Stand_2019_01.pdf; https://www.uds-beratung.de/zertifizierung/din-14675-brandmelde-und-sprachalarmanlagen/
