Was kann KI in der Pflege? – Beispiele, Fortbildung und Ethik

17.02.2026 | T. Reddel – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

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KI-generiert

Das Thema Künstliche Intelligenz ist auch in der Pflege aktueller denn je. KI kann die Pflegedokumentation erleichtern, individuelle Dienstpläne erstellen und das Sturzrisiko von Pflegebedürftigen analysieren. Doch ihr Einsatz erfordert teils umfangreiche Investitionen und erhöhten Datenschutz. Worauf Einrichtungen beim Einsatz von KI in der Pflege achten sollten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist KI in der Pflege?
  2. Vor- und Nachteile im Pflegealltag
  3. Wo wird KI in der Pflege eingesetzt? – Beispiele
  4. KI in der Pflege und Ethik
  5. Weiterbildung zu KI in der Pflege
  6. Fazit: Wie kann KI in der Pflege helfen?

Was ist KI in der Pflege?

KI in der Pflege bezeichnet den Einsatz digitaler Systeme, die Daten auswerten, Muster erkennen und Pflegeprozesse unterstützen. Dazu zählen KI-Anwendungen wie Sprach- und Dokumentationsassistenten, Analyse-Apps, sensorbasierte Überwachungssysteme sowie Pflegeroboter für Transport, Mobilisation oder Erinnerung an Medikamente. Hinzu kommen intelligente Chatbots und digitale Lernplattformen.

Das Thema gewann in Deutschland bereits in den 2010er-Jahren an Relevanz. Im Zuge der Digitalisierung wurden die elektronische Dokumentation ausgebaut und telemedizinische Angebote sowie mobile Endgeräte entwickelt. Auf dieser Basis entwickelten Forschung und Industrie zunehmend spezialisierte KI-Lösungen für die Pflege. Mit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende des Jahres 2022 wird das Thema auch in der breiten Bevölkerung immer häufiger diskutiert. Inzwischen gibt es entsprechende Gesetze und Vorschriften wie den EU AI Act, die Pflegeeinrichtungen beachten müssen.

Doch was spricht überhaupt für und gegen den Einsatz von KI in der Pflege?

Vor- und Nachteile im Pflegealltag

Der Einsatz von KI-Systemen bringt Chancen und Herausforderungen mit sich. Eine strukturierte Betrachtung erleichtert die Entscheidung für oder gegen KI.

Dabei sollten Pflegeverantwortliche folgende Aspekte beachten:

Vorteile Nachteile
Pflegedaten können automatisiert erfasst und strukturiert eingetragen werden.
Entlastung bei Dokumentation und Verwaltung.
Die Einführung von KI-Lösungen erfordert einmalige Investitionskosten für Soft- und Hardware sowie Schulungen und laufende Kosten für Wartung, Updates und Co.
Zusätzliche Investitions- und Wartungskosten.
KI-Algorithmen analysieren Bewegungsdaten, Vitalwerte und Verlaufsdokumentationen und erkennen auffällige Muster.
Frühzeitige Erkennung von gesundheitlichen Risiken (etwa Sturzrisiken, Dekubitusgefahr oder gesundheitlicher Verschlechterung).
Einrichtungen sind stärker auf eine stabile IT-Infrastruktur angewiesen. Stromausfälle oder andere technische Probleme können für erhebliche Beeinträchtigungen sorgen.
Abhängigkeit von Technik und Stromversorgung.
KI-Anwendungen prüfen die Eingaben auf Vollständigkeit und Plausibilität und weisen auf fehlende Informationen hin.
Verbesserung der Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und Qualitätssicherung.
KI-Systeme verarbeiten große Mengen sensibler Gesundheitsdaten. Unzureichende Sicherheitsmaßnahmen erhöhen das Risiko von Datenlecks oder unbefugtem Zugriff.
Erhöhte Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.
Die KI kann Auslastung, Pflegegrade und Abwesenheiten analysieren und daraus datenbasierte Prognosen erstellen. Damit lassen sich effizientere und bedarfsgerechtere Dienstpläne erstellen.
Unterstützung bei der Personalplanung.
Nicht alle Pflegekräfte und Pflegebedürftigen stehen digitalen Technologien offen gegenüber. Fehlende Schulungen oder unklare Kommunikation im Team können zu Unsicherheit und Widerstand im Team führen.
Gefahr von Akzeptanzproblemen.

Um mögliche Akzeptanzrisiken im Pflegeteam zu minimieren, sind entsprechende Fort- und Weiterbildungen hilfreich.

Veranstaltungsempfehlung

Eine passende KI-Schulung für Pflegekräfte bildet das Seminar „KI im Pflegealltag sinnvoll nutzen“. In der 5-stündigen Fortbildung erhalten die Teilnehmenden Expertentipps und aktuelle Beispiele, wie sie den Einsatz von KI bedarfsgerecht gestalten. Jetzt anmelden!

Ein weiterer Aspekt bei der Entscheidung für oder gegen den Einsatz von KI in der Pflege sind die möglichen Einsatzgebiete.

Wo wird KI in der Pflege eingesetzt? – Beispiele

Grundsätzlich kann KI unter anderem in folgenden Pflegebereichen unterstützen:

  • Pflegedokumentation
    • Automatische Spracherkennung zur Umwandlung mündlicher Pflegeberichte in strukturierte Texte.
    • KI-gestützte Plausibilitätsprüfung von Pflegeplanungen, die auf fehlende Maßnahmen oder widersprüchliche Angaben hinweist.
    • Automatische Verschlagwortung und Kategorisierung von Pflegeereignissen zur besseren Auswertung und Archivierung.
  • Pflegeausbildung:
    • Adaptive Lernplattformen, die Lerninhalte individuell an Wissensstand und Lerntempo der Auszubildenden anpassen.
    • KI-gestützte Simulationen, in denen Auszubildende komplexe Situationen ohne Risiko für reale Patientinnen und Patienten üben können.
  • Qualitätsmanagement:
    • Analyse von Routinedaten zur Identifikation von Häufungen bei Stürzen, Dekubitus oder Medikationsfehlern.
    • Frühwarnsysteme zur Erkennung von Qualitätsabweichungen auf Stationsebene.
    • Benchmarking-Tools, die interne Qualitätskennzahlen mit externen Referenzwerten vergleichen.
  • Telepflege:
    • Intelligente Erinnerungssysteme für Medikamenteneinnahme mit Rückmeldung an Pflegedienste, falls keine Bestätigung erfolgt.
    • KI-gestützte Auswertung von Vitaldaten aus tragbaren Geräten zur frühzeitigen Erkennung gesundheitlicher Veränderungen.
    • Automatische Priorisierung eingehender Telekonsultationen nach Dringlichkeit.
  • Personalplanung:
    • Prognosemodelle zur Vorhersage des Personalbedarfs auf Basis historischer Belegungs- und Ausfallzahlen.
    • Optimierungsalgorithmen zur Erstellung von Dienstplänen unter Berücksichtigung von Qualifikationen und Arbeitszeitmodellen.
    • Analyse von Überlastungsindikatoren zur frühzeitigen Identifikation eines erhöhten Krankenstandrisikos.

Folgende Beispiele zeigen, welche konkreten KI-Lösungen es bereits für die Pflege gibt:

Beispiel Erläuterung
Hautscreening-App „SkinScreener“, Mammografie-Screening-System „JiveX Enterprise PACS“ KI-gestützte Bilderkennung krankhafter Hautveränderungen in Dermatologie, Radiologie und Krebsmedizin.
Empathie-Roboter „Navel“ Leistet Erinnerungsarbeit und Kontaktpflege für Patientinnen und Patienten, etwa hinsichtlich Medikamenteneinnahme oder Biografiearbeit.
Pflegedokumentations-App „voize“ Wandelt Sprache für die Pflegedokumentation in Text um, beachtet dabei den Datenschutz.
Software „Planerio“ KI-Algorithmus erstellt automatisch Dienstpläne unter Berücksichtigung von Arbeitsplätzen, Urlaub, Wünschen der Pflegekräfte und vieles mehr.

Bei all diesen Praxisbeispielen bleiben jedoch noch einige ethische Fragen zum Einsatz von KI in der Pflege offen.

KI in der Pflege und Ethik

Trotz des Potenzials hinter KI sollte diese die Beziehung zwischen Pflegekräften und Pflegebedürftigen nicht beeinträchtigen. Technik soll menschliche Zuwendung unterstützen, aber nicht ersetzen oder dominieren. Untersuchungen und Praxisprojekte zeigen, dass die Akzeptanz von KI in der Pflege steigt, wenn Systeme transparent eingeführt werden und einen klar erkennbaren Nutzen im Arbeitsalltag bieten. Pflegebedürftige akzeptieren technologische Unterstützung vorrangig dann, wenn sie ihre Sicherheit erhöht und ihre Selbstständigkeit stärkt, ohne die persönliche Ansprache durch Pflegekräfte zu verringern.

Zudem berührt der Einsatz von KI zentrale Werte der Pflege wie Würde, Selbstbestimmung und Datenschutz. Da KI-Systeme große Mengen personenbezogener Informationen verarbeiten, tragen Pflegekräfte Verantwortung für den Schutz sensibler Daten. Deshalb müssen Pflegeeinrichtungen klare Zugriffsrechte und verbindliche Sicherheitsstandards festlegen.

Des Weiteren bleibt Transparenz eine zentrale Voraussetzung, da Algorithmen auf komplexen Modellen basieren und Handlungsempfehlungen ableiten. Pflegedienstleitungen sollten nachvollziehen können, wie diese Empfehlungen entstehen, um ihre professionelle Verantwortung bewusst wahrzunehmen.

Weiterbildung zu KI in der Pflege

Mit Schulungen bauen Verantwortliche in der Pflege die erforderlichen KI-Kompetenzen auf und informieren sich über aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich. Ein passendes Fortbildungsangebot ist das Seminar „KI im Pflegealltag sinnvoll nutzen“. Darin erfahren die Teilnehmenden, welche KI-Lösungen ihnen spürbare Entlastung bringen, wie sie ihre administrativen Aufgaben damit effizienter gestalten und was sie hinsichtlich des Datenschutzes beachten müssen.

Fazit: Wie kann KI in der Pflege helfen?

KI in der Pflege ist inzwischen weit mehr als eine Hilfstechnologie. Sie gilt vielerorts bereits als wesentlicher Bestandteil des Pflegealltags, indem sie die Dokumentation unterstützt, Gesundheitswerte überwacht und bei administrativen Entscheidungen hilft. Gleichzeitig gibt es bislang oft Vorbehalte gegenüber KI-Anwendungen, vor allem im zwischenmenschlichen Kontakt, der beispielsweise durch Roboter erfolgen soll. Für rein administrative Zwecke wie die Pflegedokumentation oder Personalplanung ist die Branche dagegen schon deutlich offener.

Auch ethische Aspekte sollten beim Einsatz von KI in der Pflege berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollten Pflegeeinrichtungen darauf achten, mit personenbezogenen Daten rechtskonform umzugehen und geltende Bestimmungen wie den EU AI Act einzuhalten. Dabei helfen zum Beispiel regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden und eine kontinuierliche Evaluation des KI-Einsatzes.

Quellen: Fachzeitschrift „QM-PRAXIS in der Pflege inklusive Hygiene aktuell“ (Ausgabe August 2025), „Infodienst KI-Recht.IT-Sicherheit.Datenschutz.“ (Ausgabe Oktober 2024)