Elternarbeit Schule und Kita: Definition und Formen

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Die persönliche Entwicklung eines Kindes wird sowohl durch die schulische als auch die elterliche Erziehung geprägt. Umso wichtiger ist es, dass Schule und Eltern die erzieherischen Maßnahmen aufeinander abstimmen. Diese Zusammenarbeit erfolgt im Rahmen der Elternarbeit: Lehrkräfte fördern den Austausch mit den Eltern und arbeiten zusammen mit ihnen daran, die gesunde Entwicklung des Kindes zu unterstützen. Es gibt dabei unterschiedliche Formen der Elternarbeit sowie Leitlinien, nach denen sich Lehrkräfte richten sollten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Elternarbeit: Definition
  2. Warum ist Elternarbeit wichtig?
  3. Elternarbeit: Leitlinien für Lehrkräfte
  4. Formen der Elternarbeit
  5. Elternarbeit Kita

Elternarbeit: Definition

Elternarbeit beschreibt alle Maßnahmen der Zusammenarbeit von Eltern und Pädagogen in Schulen und Kitas. Auch andere soziale Einrichtungen wie Kinderheime oder Jugendhilfen betreiben Elternarbeit. Dabei können Fachpersonal und Eltern verschiedene Methoden und Formen heranziehen, um sich sachspezifisch über das betroffene Kind auszutauschen.

Schulische Elternarbeit verfolgt das Ziel, Kindern sowohl zu Hause als auch in der Schule eine einheitliche und ganzheitliche positive Entwicklung zu ermöglichen. Der Begriff „Elternarbeit“ ist zwar erst seit Ende des 20. Jahrhunderts in Gebrauch, allerdings ist eine erfolgreiche Elternarbeit seit langem aus verschiedenen Gründen für Schulen und Lehrkräfte sinnvoll.

Warum ist Elternarbeit wichtig?

Elternarbeit ist die Verbindung zwischen der Schule und dem Zuhause der Kinder und spielt für die Entwicklung der Kinder aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle:

  • Elternarbeit und soziale Entwicklung hängen zusammen

In der Schule erlernen Kinder unter pädagogischer Aufsicht sowohl den fachlich relevanten Schulstoff als auch soziale Kompetenzen, die sie für ihr Leben benötigen. Das soziale Verhalten, das die Kinder in der Schule erlernen, wirkt sich auch auf das Verhalten zu Hause aus und umgekehrt. Gleichzeitig beeinflusst die Erziehung der Eltern das Lernverhalten und damit verbunden die Bildung der Kinder. Umso wichtiger ist es, dass ein regelmäßiger Austausch in Form der Elternarbeit stattfindet.

Bei der Elternarbeit steht das Kind bzw. die Schülerin oder der Schüler im Mittelpunkt. Dadurch, dass Eltern und Lehrkraft gemeinsame Ziele festlegen und sich über Erfahrungen austauschen, unterstützen sie das Kind in seiner schulischen und sozialen Entwicklung.

  • Kindeswohl schützen

Elternarbeit kann neben der schulischen Entwicklung des Kindes auch das Kindeswohl positiv beeinflussen. Denn verschiedene familiäre Bedingungen können Defizite in der Entwicklung oder sogar psychische Misshandlung des Kindes begünstigen. Zu diesen Bedingungen gehören z. B.

  • psychische Erkrankungen der Eltern (Depression, Schizophrenie etc.),
  • Alkoholismus oder Drogenmissbrauch,
  • Medikamentenabhängigkeit oder
  • sonstiges Suchtverhalten.

Eine gut funktionierende Elternarbeit hilft den Eltern, ihr Kind trotz der eigenen Defizite zu Hause zu unterstützen. Gleichzeitig hilft sie den Lehrkräften, auf akute Notlagen von Kindern zu reagieren und besondere Unterstützung anzubieten.

  • Austausch mit den Eltern

Die Elternarbeit bietet einer Lehrkraft den optimalen Rahmen, um sich mit den Eltern über die Erziehung des Kindes in der Schule auszutauschen. Die Eltern stehen im direkten Austausch mit der Lehrkraft und können die Entwicklung des Kindes aus einer anderen Perspektive mitverfolgen. Bei Bedarf besteht für die Eltern die Möglichkeit, sich in die Bildung und schulische Erziehung ihres Kindes einzubringen.

  • Konflikte bewältigen

Immer häufiger kommt es zu Konflikten zwischen Eltern und Schule. Aus Kritik oder Beschwerden entwickeln sich zunehmend Konflikte, die nicht selten vor Gericht enden. Elternarbeit ist eine Möglichkeit, dem entgegenzusteuern. Den engen Austausch können Eltern auch nutzen, um Beschwerden oder Kritik an der Schule bzw. der Lehrkraft zu äußern. Mit Elternarbeit lassen sich Konflikte zwischen den Eltern, dem Kind und der Schule frühzeitig lösen – ohne Gerichtsverhandlung.

Denn Konflikte in der Schule sind unumgänglich: Unterschiedliche Kulturen, Hintergründe und soziale Schichten verschärfen das Konfliktpotenzial. Die Schule fungiert im Rahmen der Elternarbeit als Vermittler zwischen den Parteien. Auf diese Aufgabe müssen sich Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Lehrkräfte entsprechend vorbereiten. Wichtige Hilfestellungen als Ratgeber und Mediator bietet dabei häufig die Schulsozialarbeit. Das Praxishandbuch „Schulsozialarbeit“ unterstützt die Pädagogen bei typischen Problemfeldern im Rahmen der Elternarbeit.

 

  • Informieren der Eltern

Um Konflikte im Voraus zu vermeiden, dient die Elternarbeit auch dem regelmäßigen Informieren der Eltern. Sie erfahren mehr über das Verhalten und den Erfolg ihres Kindes in der Schule und verbessern die Kommunikation mit der Schule. Gleichzeitig hilft die Elternarbeit den Lehrkräften, eine engere Zusammenarbeit mit den Eltern zu erzielen und dem Kind eine optimale Entwicklung zu ermöglichen.

Vor allem in der aktuellen Corona-Pandemie ist die Aufklärung der Eltern durch die Elternarbeit relevant. Die Lehrkräfte können die Eltern über das aktuelle Infektionsgeschehen in der Schule sowie über die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen auf dem Laufenden halten.

  • große Herausforderung für Schulen

Die Elternarbeit stellt ein akutes Problem für die Schulen in Deutschland dar. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung von 2018 sieht jede fünfte Lehrkraft die Zusammenarbeit mit den Eltern als größte Herausforderung an den Schulen. Das verdeutlicht, dass die Elternarbeit ein wichtiges Element der Schularbeit ist.

Um den Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften sach- und fachgerecht begegnen zu können, sollten Lehrkräfte ihre Methodik und die Form der Elternarbeit immer wieder überdenken und optimieren. Als Orientierung dienen ihnen z. B. folgende Leitlinien.

Elternarbeit: Leitlinien für Lehrkräfte

Eine sorgfältig konzipierte Elternarbeit ermöglicht eine zielführende Kooperation mit den Eltern und kann Konflikte verhindern. Hierfür gibt es einige Leitlinien, die Lehrkräfte bei der Elternarbeit berücksichtigen sollten.

Anliegen der Eltern ernst nehmen Bei der Elternarbeit müssen Lehrkräfte darauf achten, die Eltern als gleichgestellte Instanz zu sehen und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Sie sollen die Eltern beraten und informieren, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Fühlen sich die Eltern von oben herab behandelt, kann dies das Konfliktpotenzial erhöhen.
Verständnis zeigen
und zuhören
Außerdem ist es wichtig, Verständnis für die Ansichten der Eltern zu zeigen. Wenn Eltern merken, dass die Lehrkraft ihre Probleme und Sorgen ernst nimmt, öffnen sie sich ihr gegenüber eher und die Elternarbeit fällt leichter.
positive Einstellung bewahren Elternarbeit sieht oft so aus, dass die Eltern die Gelegenheit nutzen, um sich zu beschweren oder negative Themen anzusprechen. Dennoch ist es essenziell, dass die Lehrkraft optimistisch bleibt und das nach außen kommuniziert. Die innere Haltung der Lehrkraft und eine positive Einstellung gegenüber den Eltern  sind entscheidend für das Gelingen der Elternarbeit.
Situation zu Hause kennen Zusätzlich kann es helfen, wenn sich die Lehrkraft Informationen von den Eltern bzgl. der aktuellen Familiensituation zu Hause holt. Damit macht sie sich einen umfassenderen Eindruck von der sozialen Umgebung der Kinder und kann die Erkenntnisse in die Elternarbeit übertragen, um passendere Lösungsansätze zu bieten.

Befolgen Lehrkräfte diese Leitlinien, ist eine effektive Elternarbeit möglich. Neben den richtigen Leitlinien gibt es eine Vielzahl von Formen der Elternarbeit, die die Lehrkräfte anwenden können.

Formen der Elternarbeit

Elterngespräch

Eine beliebte Form der Elternarbeit ist das Elterngespräch. Hier setzt sich die Lehrkraft mit den Eltern zusammen und beredet aktuelle Probleme, Sorgen und andere Anliegen rund um das Kind bzw. den Schüler oder die Schülerin. Ein gelungenes Elterngespräch kann die Beziehung zwischen Lehrkraft und Eltern verbessern und die Effektivität der Elternarbeit erhöhen. Für ein gelungenes Elterngespräch sollte die Lehrkraft Folgendes beachten:

  • Genug Zeit für das Gespräch einplanen.
  • Das Gespräch schriftlich protokollieren.
  • Störungen durch andere Personen vermeiden.
  • Den Eltern aufmerksam und wertfrei zuhören.
  • Am Ende das Gespräch zusammenfassen und nächste Schritte besprechen.

Soll die Lehrkraft im Elterngespräch Anliegen anderer Kinder oder Eltern klären, ist es wichtig, dass sie keine Namen preisgibt, da das zum einen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig ist und zum anderen zu Konflikten zwischen den einzelnen Eltern führen kann.

Elternabend

Elternabende in der Schule dienen anfangs der Vorstellung der Klassenlehrkraft und dem gegenseitigen Kennenlernen der Eltern. Darüber hinaus besprechen Eltern und Lehrkräfte bei einem Elternabend gemeinsam aktuelle Themen, die die Klasse betreffen oder Anliegen, die die Eltern an die Schule haben. Auch themenspezifische Elternabende zu bestimmten Anlässen sind möglich.

In der Kita sind Elternabende ebenfalls ein gängiges Mittel der Elternarbeit. Hier legen die Erzieherinnen und Erzieher den Fokus noch stärker auf pädagogische Inhalte und bringen Themen zur Elternbildung mit ein. Auch Erziehungsfragen o. Ä. werden hier diskutiert.

Elternbeirat

Der Elternbeirat verbindet die Lehrkräfte mit den Eltern der Schülerinnen und Schüler. Genauer handelt es sich bei einem Elternbeirat um einen von den Eltern selbst gewählten Rat. Der Rat vertritt die Interessen der Eltern und Kinder gegenüber der Schule und unterstützt bei verschiedenen schulrelevanten Fragen. Die Rechte und Aufgaben eines Elternbeirats sind länderspezifisch gesetzlich festgelegt.

Weitere Formen der Elternarbeit

Neben den oben genannten Formen der Elternarbeit gibt es viele weitere Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu verbessern, z. B. mit

  • Einführungsveranstaltungen für Eltern und Kinder,
  • Festen in der Schule/Kita, wie etwa Weihnachtsfeiern oder Osterfeste,
  • Kinderbazaren und -märkte,
  • Elternbefragungen,
  • Vater-Kind-Aktionen oder
  • Elternstammtischen.

Alle Formen der Elternarbeit dienen dazu, die Beziehung zwischen den Eltern und den Pädagogen zu verbessern sowie die gemeinsame Zusammenarbeit zu erleichtern. Allerdings sind je nach Einrichtungsform die Schwerpunkte der Elternarbeit verschieden. Während sich Eltern von Schülerinnen und Schülern in der Elternarbeit vor allem für Themen wie Notenvergabe und disziplinarische Verfahren interessieren, fokussieren sich Eltern von Kita-Kindern auf andere Bereiche. Entsprechend sind bei der Elternarbeit in Kitas andere Schwerpunkte zu setzen.

Elternarbeit Kita

In der Kita ist die Elternarbeit deshalb so wichtig, da die Kinder hier häufig das erste Mal für einen längeren Zeitraum und regelmäßig von ihren Eltern getrennt sind. Das Eingewöhnen in die neue Umgebung ist essenziell, sowohl für das Kind wie auch für die Ausgestaltung der Elternarbeit, die in erster Linie aus Anmeldegesprächen und Eingewöhnungsplänen besteht. Aber auch Entwicklungsberichte und Förderpläne sind für die Elternarbeit in der Kita zentrale Elemente.

Die Kita unterstützt sowohl Kinder in ihrer Entwicklung als auch Eltern bei Fragen zur kindlichen Erziehung, Sozialisation und Entwicklung ihres Kindes. Vor allem bei Kleinkindern, die wichtige soziale Kompetenzen erst erlernen, wenn sie eine Kita besuchen, haben Eltern häufig den Wunsch nach einem engen Austausch mit dem Fachpersonal der Kita. Diesen Wunsch kommen das Kita-Personal sowie die Kita-Leitung im Rahmen der Elternarbeit nach.

Quellen: Forum Verlag Herkert GmbH, zeit.de, spiegel.de, deutsches-schulportal.de

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