Hydraulischer Abgleich: Verfahren B bei Sanierung zum KfW-Effizienzhaus

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In Deutschland arbeiten Schätzungen zufolge nur 10% aller Heizungsanlagen unter optimalen hydraulischen Bedingungen. Dabei ist längst bekannt, dass nicht optimierte Heizungen mehr Energie verbrauchen und die Energieeffizienz eines Gebäudes deutlich schmälern. Für Gebäude mit raumweiser Heizlast schafft der hydraulische Abgleich nach Verfahren B Abhilfe und wird von der KfW gefördert.

Hydraulischer Abgleich: Verfahren B eignet sich für alle Anlagengrößen 

Beim hydraulischen Abgleich handelt es sich um ein Verfahren zur Optimierung der Heizungsanlage in privaten sowie gewerblichen Gebäuden. Mit dem Ziel die Energieeffizienz des Gebäudes zu steigern und auf Dauer die Umwelt sowie den Geldbeutel zu schonen. Im Idealfall führen Heizungsfachbetriebe den hydraulischen Abgleich durch. Zur Berechnung stehen ihnen zwei Nachweisverfahren zur Verfügung:

  • Hydraulischer Abgleich Verfahren A wird zur Berechnung ohne raumweise Heizlast herangezogen und ist zulässig bei beheizten Nutzflächen bis 500mje Heizkreis mit eigener Pumpe bzw. einem Differenzdruckregler. Die Durchführung des Verfahrens A ist ausreichend für die BAFA Heizungsoptimierung.
  • Hydraulischer Abgleich Verfahren B zur Berechnung mit raumweiser Heizlast. Dieses Nachweisverfahren eignet sich für alle Anlagengrößen und wird in der Regel mithilfe einer Software durchgeführt. Wollen Endkunden eine KfW-Förderung in Anspruch nehmen bzw. eine Sanierung zum KfW-Effizienzhaus durchführen, muss der Fachbetrieb immer das Verfahren B anwenden, das eine vorherige Heizlastberechnung impliziert. 

Weil der hydraulische Abgleich Verfahren B mehr Einsparpotenzial bewirkt (aber auch einen höheren Aufwand bedeutet), wird dieses Nachweisverfahren hier genauer beleuchtet. 

Beide Verfahren des hydraulischen Abgleichs werden detailliert im Handbuch „EnEV 2014/2016 im Gebäudebestand“ behandelt. Tiefergreifendes Fachwissen zur Energieeinsparverordnung (EnEV) erhalten Fachbetriebe mit dem Handbuch „EnEV und Energieausweise“

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EnEV 2014/2016 im Gebäudebestand

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Beim Verfahren B ist eine Planungsleistung vorausgesetzt 

Der hydraulische Abgleich Verfahren B setzt immer eine Planungsleistung voraus, die der Fachbetrieb vorab durchzuführen hat. Dadurch wird ein wesentlich höherer energetischer Standard erreicht. Zu beachten ist, dass der Auftraggeber diese Leistung separat beauftragen muss. 

Der entscheidende Unterschied zwischen Verfahren A und Verfahren B liegt darin, dass bei Verfahren A die Heizlast des gesamten Gebäudes lediglich abgeschätzt wird, während bei der genauen Berechnung nach dem Verfahren B raumweise vorzugehen ist. Im Sinne der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus ist dabei zwingend die DIN EN 12831 einschließlich der relevanten Beiblätter anzuwenden.  

Vor der Berechnung des hydraulischen Abgleichs nach dem Verfahren B ist eine Begehung der Räumlichkeiten notwendig. Bei dieser Begehung wird u. a. ermittelt, ob Absperrventile vorhanden sind und diese auch funktionstüchtig sind.   

Hydraulischer Abgleich Verfahren B 

  • Voreinstellung der Thermostatventile
    Für den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B nimmt der Fachbetrieb eine Voreinstellung der Thermostatventile der einzelnen Heizkörper vor. Der Volumenstrom der einzelnen Heizkörper wird anteilig aus der zu deckenden Raumheizlast und der ermittelten Spreizung berechnet. 
  • Rohrnetzberechnung
    Für den hydraulischen Abgleich im Bestand ist es notwendig, eine Rohrnetzberechnung durchzuführen. Anhand dieser werden die Druckverluste von Ventilen und Pumpen ermittelt. Auch bei einer Neuverlegung ist diese Berechnung nicht unerheblich, um die Dimension der Rohre festzulegen. 
  • Druckverlustberechnung
    Wenn ein Rohrnetz besteht, dieses funktionstüchtig ist und Thermostatventile mit automatischer Durchflussbegrenzung verbaut sind, kann auf eine Druckverlustberechnung verzichtet werden.  

Außerdem sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:

Heizflächenoptimierung

Die Heizflächendurchflüsse werden in Abhängigkeit von den geplanten Vor- und Rücklauftemperaturen und der Heizflächengröße berechnet. Zu kleine Heizflächen sowie überdimensionierte Heizkörper sind zu vermeiden.

Nachtabsenkung   

Der Fachbetrieb hat mit dem Auftraggeber abzusprechen, ob eine Nachtabsenkung generell gewünscht ist. Wenn ja, sollte eine Absenkzeit > 6 Stunden vermieden werden. Zur Festlegung der Absenkzeiten und der Temperatur ist die Gebäudehülle miteinzubeziehen. 

Bei der angepassten außentemperaturgeführten Vorlauftemperaturregelung sind die ermittelten Temperaturen aus der Berechnung zur Heizflächenoptimierung in die Regelung zu übernehmen. Steilheit und Parallelverschiebung werden nach der Art der Heizflächen eingegeben.   

Heizkreispumpe 

Im Idealfall hat der Fachbetrieb mit dem Auftraggeber eine Rohrnetzberechnung vereinbart. Dann sind die dabei ermittelten Werte zu verwenden. Ist das nicht geschehen, ist für die Regelung der Pumpe die Förderhöhe anhand der einfachen Rohrlänge und den dazugehörigen Komponenten zu schätzen. Die geeignete Heizkreispumpe kann dann mithilfe des abgeschätzten Volumenstroms sowie von Herstellerdiagrammen ausgewählt werden. 

Beim Einbau eines neuen Wärmeerzeugers mit integrierter Pumpe, ist die Pumpe an die Restförderhöhe anzupassen. Handelt es sich um einen Wärmeerzeuger im Bestandsgebäude ist ein Mindestvolumenstrom zu beachten. 

Dämmung von Rohrleitungen  

Die Dämmung der Rohrleitungen ist im Rahmen des hydraulischen Abgleichs Verfahren B dahingehend zu prüfen, ob diese den Anforderungen der EnEV entsprechen. Trifft das nicht zu, sollte der Fachbetrieb eine Dämmung mit höheren Dämmstärken einbauen.   

Was Fachbetriebe beim hydraulischen Abgleich im Rahmen der Förderprogramme hinsichtlich Einrohrheizungen und Fußbodenheizungen beachten müssen, zeigt das Werk „EnEV 2014/2016 im Gebäudebestand“

Vor dem hydraulischen Abgleich: Das ist zu beachten 

Bevor der Heizungsfachmann mit dem hydraulischen Abgleich beginnt, sollte er folgende Aspekte beachten:

  • Austausch von Ventilen – Sind die Ventile veraltet und sollten ausgetauscht werden?
  • alte Rohrleitungen – Sind diese augenscheinlich noch in einem guten Zustand? Wenn nicht, sollte der Fachbetrieb diese austauschen, um die anderen Komponenten der Heizung zu schützen. 
  • Einrohrheizung – Bei Einrohrheizungen kann der hydraulische Abgleich nur strang- bzw. kreisweise erfolgen und nur nach dem Verfahren B. Ist eine Einregulierung notwendig, sollte generell geprüft werden, ob das wirtschaftlich ist, denn sie ist mit einem hohen Aufwand verbunden. 
  • Thermostatventile mit nachgerüsteter Hubbegrenzung – Es ist nicht zu empfehlen, nachträglich eine Hubbegrenzung an die bestehenden Thermostatventile anzubringen, dies kann zur Abweichung in der Regelqualität führen. 
  • Rücklaufverschraubungen – Es ist nicht zu empfehlen, Zweirohrheizungen an geeignete Rücklaufverschraubungen einzuregulieren. 

Quelle: „EnEV 2014/2016 im Gebäudebestand“

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