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Was ist Schulabsentismus? – Definition, Ursachen und Interventionsmaßnahmen

© Евгений Шемякин – stock.adobe.com

Laut Studienergebnissen haben bis zu 20 % aller Schülerinnen und Schüler wenigstens einmal ihren Unterricht geschwänzt. Problematischer wird es, wenn aus der einmaligen Schulverweigerung ein sich steigernder Schulabsentismus wird. Dieser kann unterschiedliche Gründe haben und erfordert individuelle Gegenmaßnahmen von Seiten der Schule. Aber wie lässt sich Schulabsentismus erkennen, welche Interventionsmöglichkeiten gibt und wie kann er präventiv vermieden werden?

Inhaltsverzeichnis

  1. Wann spricht man von Schulabsentismus? – Definition
  2. Welche Gründe gibt es für Schulabsentismus? – Ursachen
  3. Ist Schulabsentismus Kindeswohlgefährdung?
  4. Was tun bei Schulabsentismus? – Intervention
  5. Prävention gegen Schulabsentismus
  6. Aktueller Forschungsstand zu Schulabsentismus

Wann spricht man von Schulabsentismus? – Definition

Unter Schulabsentismus (auch Schulabstinenz) versteht man im Allgemeinen das unentschuldigte Fehlen im Schulunterricht – das beginnt beim „Schulschwänzen“ und reicht bis zur aktiven Vermeidung des Unterrichts aus Angst oder anderen Gründen. 

Die genaue Unterteilung in verschiedene Formen von Schulabsentismus ist je nach Definition unterschiedlich. So wird oftmals unterschieden zwischen Schulangst, Schulphobie, Schwänzen, innerem Rückzug und dem aktiven Zurückhalten durch die Eltern.

Es lässt sich aber auch beispielsweise folgender Ablauf von Schulabsentismus beobachten:

1. Schulaversion (Ablehnende Haltung gegenüber der Schule und dem Unterricht, Demotivation)
2. Schulschwänzen (immer häufigeres Fehlen im Unterricht)
3. Dropout/Schulabbruch (vollständiges Fernbleiben von der Schule

Dabei verletzen die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre Schulpflicht, wenn sie immer öfter und länger Fehlzeiten aufbauen. Sie riskieren auch eine Reihe weiterer negativer Folgen für sich und ihre persönliche Entwicklung.

Folgen von Schulabsentismus

Wird langanhaltender Schulabsentismus gar nicht oder zu spät erkannt, hat das erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler sowie auf ihre gesellschaftliche und ökonomische Zukunft. Denn schlechtestenfalls steigt ihr Risiko für Schulabbrüche, schlechte Berufsperspektiven und Arbeitslosigkeit.

Um diese Folgen überhaupt nicht entstehen zu lassen, sollte Schulabsentismus bereits in seiner frühesten Phase – der Schulaversion – erkannt werden. Daher müssen insbesondere Lehrkräfte die typischen Gründe und Risikofaktoren für Schulabsentismus kennen.

Welche Gründe gibt es für Schulabsentismus? – Ursachen

Die Motivation für aktive Schulverweigerung kann unterschiedlich sein: Von Problemen mit Mitschülerinnen oder Mitschülern über damit einhergehende Schulangst bis zu psychosozialen Faktoren oder etwa familiär bedingtem Stress. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen das Schwänzen und die damit verbundene freie Zeit aber auch für sie angenehmere Aktivitäten außerhalb der Schule.

So ergab eine Befragung des Deutschen Jugendinstituts, dass folgende Gründe am häufigsten zu Schulabsentismus animieren:

  Häufigkeit zu Beginn der Schulverweigerung
Schulische Ursachen
Probleme mit Lehrkräften 57 %
Schlechte schulische Leistungen 30 %
Probleme mit Mitschülerinnen und Mitschülern 29 %
Außerschulische Ursachen
Partnerin bzw. Partner 36 %
Andere Freundinnen und Freunde treffen 36 %
Krankheit 18 %

Häufig leiden die Betroffenen aber auch unter bestimmten psychischen Erkrankungen oder Störungen. Der Kinder- und Jugend-Psychotherapeut Andreas Rudolf vertritt die Auffassung, dass viele Schülerinnen und Schüler, die Schulabsentismus betreiben, eine Sozialphobie aufweisen. Sie hätten Angst, im Mittelpunkt zu stehen und aufgrund ihrer schulischen Leistungen bewertet zu werden.

Diese psychischen Phänomene würden dann zu körperlichen Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen führen, durch die die Betroffenen dem Unterricht häufig fernblieben. Auch Depressionen seien häufig bei Schülerinnen und Schülern vorhanden, die Schulabsentismus praktizieren, so der Experte.

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Wie Schulen psychische Erkrankungen bei ihren Schülerinnen und Schüler erkennen, zeigt der „Praxisratgeber psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche in der Schule“.

Doch auch familiäre Probleme mit den Eltern können Schulabsentismus begünstigen. Gibt es etwa kulturelle oder religiöse Unterschiede im Elternhaus, die den Wertvorstellungen der Schule widersprechen, halten manche Eltern ihre Kinder aktiv vom Unterricht zurück.

Ein weiterer Risikofaktor für Schulabsentismus besteht dann, wenn bereits einer von zwei Elternteilen unter einer psychischen Erkrankung leidet. Hier kann es häufiger zu Vernachlässigung oder Misshandlung kommen, was ggf. bei den Kindern zu Verhaltensauffälligkeiten führt. Außerdem sind solche Eltern teilweise nicht in der Lage, den Schulbesuch der eigenen Kinder zu unterstützen, was den Schulabsentismus weiter fördert.

Ist Schulabsentismus Kindeswohlgefährdung?

Eine allgemeine Einschätzung auf die Frage, ob es sich bei Schulabsentismus um Kindeswohlgefährdung handelt, gibt es derzeit nicht. Der Bundesgerichtshof definiert Kindeswohlgefährdung als gegenwärtige bzw. unmittelbar bevorstehende Gefahr, bei der es mit großer Sicherheit zur erheblichen Schädigung des Kindeswohls kommt, wenn diese Gefahr längere Zeit bestehen bleibt.

Es wird hierbei davon ausgegangen, dass es zu einer Kindeswohlgefährdung kommen kann, wenn Kinder und Jugendliche absichtlich länger anhaltend oder häufiger im Unterricht fehlen. Über die Frage, welcher Zeitraum hier als „lang“ gilt, urteilten verschiedene Gerichte allerdings immer wieder unterschiedlich.

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Um zu prüfen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, helfen die Vorlagen und Checklisten der „Vorlagenmappe Kindeswohlgefährdung“.

Was tun bei Schulabsentismus? – Intervention

Um Schulabsentismus zu bekämpfen, ist ein strukturiertes und schrittweises Vorgehen notwendig. Voraussetzung dafür ist das Erkennen einer möglichen Schulabstinenz.

Folgende Anzeichen können auf Schulabsentismus bei Kindern und Jugendlichen hindeuten:

  • zunehmende Unterrichtsstörungen oder immer weniger Beteiligung am Unterrichtsgeschehen
  • häufigeres Tagträumen, Frühergehen oder Zuspätkommen im Unterricht
  • stetig schlechter werdende Schulleistungen

Verhärtet sich der Verdacht auf Schulabsentismus, sollten folgende Schritte unternommen werden:

Maßnahmen Erklärung

Fehlzeiten dokumentieren

Die Dokumentationsergebnisse von Fehlzeiten können ein Indiz dafür sein, dass ein beginnender Schulabsentismus vorliegt. Daher sollten Schulen bei der Dokumentation folgende Aspekte berücksichtigrn:

  • Fehlmuster:
    • Sind bestimmte Fächer, Stunden, Tage oder Wochen vom Schulabsentismus betroffen?
    • Kommt es intervallartig oder durchgehend zu Schulabstinenz?
  • Häufigkeit:
    • Wie hoch ist die Fehlquote verglichen mit der Anwesenheit der anderen Schülerinnen und Schüler?
  • Legalität:
    • Fehlt das Kind entschuldigt (z. B. wegen Krankheit) oder unentschuldigt?

Beziehungsarbeit von Seiten der Lehrkraft

Bislang wird Schulabsentismus oftmals mit Nachsitzen, Strafarbeiten oder anderen Sanktionen begegnet. Stattdessen sollten Schulen und Lehrkräfte bewusst mit Erfolgserlebnissen bei den Kindern und Jugendlichen arbeiten. Beziehungsarbeit in Form von Wertschätzung und persönlichen Gesprächen spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Die Schülerinnen und Schüler sollten ihre emotional-sozialen Kompetenzen ausweiten und, zusammen mit der Lehrkraft, Strategien zur Problemlösung entwickeln, die die Gründe für ihren Schulabsentismus betreffen.

Schulprojekte durchführen

Es gibt bereits Konzepte wie eigene Wiedereingliederungsklassen. Dort werden speziell die Schülerinnen und Schüler betreut und unterrichtet, die z. B. aufgrund längerer Krankheit dem Unterricht ferngeblieben sind.

Solche Projekte können dabei helfen, Schulabsentismus zu behandeln und auf die besonderen Bedürfnisse dieser Schülerinnen und Schüler einzugehen.

Elternarbeit und Schulsozialarbeit

Eine enge Elternarbeit in Form von Gesprächen mit oder Besuchen bei den Eltern können eine geeignete Maßnahmen sein, um Schulabsentismus zu verringern. Auch spezielle Klassenkonferenzen kommen in Frage.

Konkrete Tipps zu Problemlagen von Schülerinnen und Schülern sowie passende Methoden der Intervention und Prävention zeigt das Praxishandbuch „Schulsozialarbeit“. 

Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

Genügen die Interventionen innerhalb der Schule nicht, den jeweiligen Schulabsentismus zu verringern, sollten außerschulische Einrichtungen hinzugezogen werden.

Wichtige Kooperationspartner sind z. B. Anbieter von Hilfen zur Erziehung und Praxen für Psychotherapie.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten bereits vorbeugend konkrete Maßnahmen gegen Schulabsentismus eingeführt werden.

Prävention gegen Schulabsentismus

Um Schulabsentismus präventiv zu vermeiden, ist insbesondere die Einstellung der Lehrkräfte entscheidend. Sie sollten einen offenen und unvoreingenommenen Umgang mit Schulabstinenz leben. Entsprechende Fortbildungen unterstützen dies. Hier lernen die Lehrkräfte, Anzeichen für Schulabsentismus zu erkennen und welche Herangehensweisen in welcher Situation angebracht sind.

Aber auch andere Faktoren wie z. B. das Klassenklima spielen eine wesentliche Rolle beim Schulabsentismus. Daher sollten Lehrkräfte stets sicherstellen, dass es nicht zu Mobbing oder anderen Problemen innerhalb der Klasse kommt. Spezieller Projektunterricht und Maßnahmen zur Stärkung der Klassengemeinschaft können hier helfen. 

Ebenso kann das Mitwirken der Schülerinnen und Schüler im Schulalltag dazu beitragen, Schulabsentismus zu verringern. Möglich sind z. B. Projekte wie solche an der Stadtteilschule Altrahlstaedt: hier konnten die Schülerinnen und Schüler einen Aufenthaltsraum nach ihren Bedürfnissen einrichten. Das steigert das Wohlbefinden an der Schule und ermöglicht es, die Einrichtung mit positiven Assoziationen zu verbinden.

Aktueller Forschungsstand zu Schulabsentismus

Bereits seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden Studien und Statistiken zum Thema Schulabsentismus erstellt (z. B. Schreiber-Kittl/Schröpfer 2002, Ricking 2003, Wagner 2005). Sie unterscheiden sich zwar oftmals in ihrer Methodik und genauen Definition des Begriffs Schulabsentismus.

Dennoch können aus den Forschungsergebnissen einige grundlegende Erkenntnisse abgeleitet werden:

  • Mehr als 20 % der Jugendlichen weisen Verhaltensformen auf, die dem Schulabsentismus zugeordnet werden können.
  • 4 bis 7 % der Schülerinnen und Schüler betreiben aktive Schulverweigerung.
  • Je höher das Bildungsniveau einer Schule ist, desto seltener kommt es zu Schulabsentismus.
    → Ergebnisse einer Umfrage in Köln zur Frage „Hast du schon einmal die Schule geschwänzt?“:
    • Gymnasium: 4,7 %
    • Realschule: 6,1 %
    • Mittelschule: 14,7 %
  • Je stärker die soziale Kontrolle durch Eltern und Lehrkräfte ist, desto seltener wird die Schule geschwänzt.
  • Der Großteil der schulverweigernden Schülerinnen und Schüler sind Jugendliche:
    → Ergebnisse einer Befragung des Deutschen Jugendinstituts von 2001:
    • jünger als 14 Jahre: 1 %
    • zwischen 14 und 16 Jahren: 75 %
    • älter als 16 Jahre: 24 %

Darüber hinaus trug nicht zuletzt die Corona-Pandemie dazu bei, die Häufigkeit von Schulabsentismus zu steigern. Die Schulen in Bielefeld beispielsweise stellten fest, dass das Problem der Schulverweigerung v. a. durch das Homeschooling stark zugenommen hatte. Denn hier wurde oft nicht registriert, dass bestimmte Jugendliche teils mehrere Monate den (Online-)Unterricht schwänzten – so die Lehrerin für Sonderpädagogik Julia Heidemann gegenüber dem Ernst Klett Verlag.

Quellen: Ernst Klett Verlag, Joachim Herz Stiftung, Cornelsen Verlag, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

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