DigitalPakt Schule kommt – wie setzen Schulen das Geld ein?

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Nachdem der Bundesrat dem Gesetz nun zugestimmt hat, kann noch dieses Jahr mit der Umsetzung des DigitalPakts Schule begonnen werden. Dann erhalten die Länder Geld vom Bund, um den Unterricht an ihren Schulen digitaler zu gestalten. Doch bei insgesamt fünf Milliarden Euro bleibt für einzelne Schulen nicht viel übrig. Deshalb müssen sie jetzt genau überlegen, in welche Maßnahmen sie das Geld investieren wollen.

Wie wird das Geld aus dem DigitalPakt an die Schulen verteilt? 

Der Bundesrat hat am 15.03.2019 der Lösung des Vermittlungsausschusses zugestimmt, womit der DigitalPakt die letzte Hürde genommen hat. Nachdem nun alle Zustimmungen erteilt sind, wird der Bund in den nächsten fünf Jahren fünf Milliarden Euro an die Länder auszahlen. Nachdem auch die Länder einen Eigenanteil leisten werden, rechnet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Gesamtsumme von 5,5 Milliarden Euro. Auf die etwa 40.000 Schulen in Deutschland heruntergebrochen, sind das rund 137.000 Euro pro Schule und circa 500 Euro pro Schüler.  

Wie können Schulen das Geld beantragen? 

Die fünf Milliarden Euro aus dem DigitalPakt werden nach dem Königsteiner Schlüssel an die Länder verteilt. Das Geld können die Schulen beim Schulträger und dieser wiederum beim Land beantragen. Voraussetzung für den Antrag ist, dass jede einzelne Schule ein technisch-pädagogisches Konzept vorlegt. Die Details hierfür werden in den Förderbekanntmachungen der Länder festgelegt. Doch was könnte so ein Konzept enthalten? 

Ideen für die Verwendung des Geldes aus dem DigitalPakt Schule

Es ist unmöglich, eine Schule von einem Tag auf den anderen zu digitalisieren. Dafür reicht das Geld aus dem DigitalPakt Schule auch gar nicht. Wichtig wäre es, im ersten Schritt alle Schulen an ein stabiles und schnelles Netz anzuschließen und WLAN anzubieten. So hat das Land Baden-Württemberg angekündigt, die Bundesmittel voranging für den WLAN-Ausbau zu investieren.

Schwieriger wird es hinsichtlich der Bereitstellung von Endgeräten. Tablets für jeden Schüler werden laut BMBF generell nicht förderfähig sein. Denn der Anteil der Fördersumme für mobile Endgeräte wird im DegitalPakt Schule auf 20 % beschränkt. Überlegenswert ist unter diesem Aspekt eher die Anschaffung interaktiver Tafeln für Lehrkräfte. Doch welche?

An dieser Stelle sollten Schulen überlegen, welche Variante ihnen aufgrund örtlicher Gegebenheiten und ihrer Vorstellungen am ehesten zuspricht: ein Whiteboard, ein interaktives Display oder doch ein Beamer? Die Eigenschaften des einzelnen Mediums werden hier erklärt. Dabei sollte auch bedacht werden, dass das Gerät nicht zu komplex in der Bedienung ist, damit Lehrkräfte sich noch auf den Unterricht konzentrieren können und kein übermäßiges technisches Know-how mitbringen müssen, nur um das Endgerät nutzen zu können.  

Doch wie können Schulen vorgehen, um ein Digital-Konzept zu erarbeiten? Wir haben ein paar Ideen gesammelt: 

  • Bevor es an die Ausarbeitung eines Konzepts im Sinne des DigitalPakts geht, können Schulleitungen mit anderen Schulen in Kontakt treten, die bereits ein technisch-pädagogisches Konzept in ihrer Bildungseinrichtung anwenden. Es lohnt sich, hierfür auch grenzübergreifend zu recherchieren. Dann muss die Schulleitung überlegen, was für die eigene Schule sinnvoll und ob bzw. wie es realisierbar ist. 
  • Bei der Planung und Organisation konkreter Maßnahmen können sich Schulen Unterstützung von Organisationen und Vereinen holen und so von deren Erfahrung profitieren.
  • In den Prozess der Konzeptentwicklung können aber auch Eltern- und Schülervertreter verstärkt eingebunden werden. 
  • Neben der Fortbildung von Lehrkräften, die ebenfalls von dem Geld aus dem DigitalPakt finanziert werden soll, müssen sich Schulen überlegen, wie sie die (neu aufgebauten) IT-Strukturen einrichten und warten wollen. Dafür wird wohl IT-Personal benötigt oder es müssen Verträge mit externen Dienstleistern ausgearbeitet werden. 

Bei der Implementierung neuer Medien oder eines WLANs dürfen Schulleitungen nicht vergessen, an den Datenschutz zu denken. Was sie hinsichtlich des neuen Datenschutzrechts beachten müssen, zeigt das „Datenschutz-Paket für Schulen“

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Beispiel für ein konkretes Projekt zur schulinternen „Lehrerfortbildung“ 

Neben den professionellen Lehrerfortbildungen könnte ein kostengünstigeres Projekt entstehen, an dem die Schülerinnen und Schüler freiwillig teilnehmen und in dem die Rollen vertauscht werden. Dann übernehmen die Lernenden die Lehrerrolle und schulen die Lehrkräfte im Umgang mit den digitalen Medien. Auf diese Weise könnte ein auch pädagogisch wertvolles Konzept entstehen. Denn Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler begegnen sich in diesem Rahmen auf Augenhöhe und arbeiten gemeinsam an der Digitalisierung ihrer Schule.  

Fazit: Digitalisierung der Schule ist mehr als nur Infrastruktur und Endgeräte 

Es ist wichtig und richtig, dass Schulen sich nun genau überlegen, welche digitale Infrastruktur ihrer Schule fehlt und welche Endgeräte benötigt werden, um Lehrkräften den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht überhaupt zu ermöglichen. Und es ist auch wichtig, dass Schülerinnen und Schüler die Grundlagen im Umgang mit diesen Medien erwerben. Doch im aktuellen Digitalisierungswahn sollten Schulen nicht aus den Augen verlieren, dass es nicht darum geht, Schülerinnen und Schüler zu Programmierern auszubilden. 

Vielmehr sollten Lehrkräfte den Jugendlichen zu mündigen Nutzern erziehen und ihnen beibringen,

  • wie sie richtig im Internet recherchieren und Fake-News entlarven. 
  • was Filterblasen und Bots sind und wie diese die Wahrnehmung und Meinung des Internetnutzers beeinflussen.
  • welche personenbezogenen Daten sie im Internet lieber nicht freigeben.
  • was Algorithmen sind und was mit ihren persönlichen Daten passiert. 
  • dass Cybermobbing nicht nur im Internet stattfindet, sondern auch strafrechtlich verfolgt wird. 
  • etc.

Die Unterrichtung der Schülerinnen und Schüler über die Möglichkeiten, die die digitalen Medien bieten, aber auch die Gefahren, die sie bergen, gehört zur Digitalisierung in der Schule genauso dazu, wie die Abschaffung von Overheadprojektoren und TV-Wagen. 

Quellen: handelsblatt.de, BMBF, Forum Verlag Herkert GmbH 

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