Gesundheitswesen und Pflege

Telemedizin: Seit April 2017 können Ärzte ihre Patienten mittels Videosprechstunde behandeln

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Den Anwendungen der Telemedizin, die im E-Health-Gesetz geregelt wird, kommt im Alltag eine besondere Bedeutung zu: So können Ärzte mithilfe einer Videoverbindung mit Medizinern an anderen Standorten kommunizieren oder in Form einer Videosprechstunde Patienten online behandeln. Seit April können solche Videosprechstunden durchgeführt und als EBM-Leistung abgerechnet werden.

Telemedizin: Was ist das? 

Unter Telemedizin wird die ärztliche Versorgung über eine räumliche Distanz hinweg verstanden. Das heißt, Patienten können sich im Rahmen von Videosprechstunden mittels Internet oder Mobilfunk (M-Health) ärztlich beraten und helfen lassen, was besonders Patienten im ländlichen Bereich zugutekommt, die für eine Sprechstunde beim Arzt oft einen langen Weg auf sich nehmen müssen. 

Ärzte können sich zudem an unterschiedlichen Standorten befinden und dennoch zu einem Fall beraten. Nicht nur im Rahmen von Konsiliartätigkeiten, auch bei laufenden Operationen können Kollegen in Echtzeit mit Bild und Ton zugeschaltet werden. 

Videosprechstunde ist seit April 2017 möglich

Bereits seit April 2017 sind Videosprechstunden möglich. Es gibt jedoch Anforderungen, die Arztpraxen vor der Online-Behandlung erfüllen müssen: 

  • Der Patient muss der Videosprechstunde vorab schriftlich zugestimmt haben. 
  • Der Arzt muss gewährleisten, dass die Videosprechstunde in einem Raum stattfindet, in dem die nötige Privatsphäre gewahrt wird. 
  • Die Videosprechstunde darf weder vom Mediziner noch vom Patienten aufgezeichnet werden. 
  • Der Arzt muss den Namen des Patienten deutlich erkennen können. 
  • Die Arztpraxis darf nur auf Videodienstanbieter zurückgreifen, die ein entsprechendes Zertifikat vorweisen und eine verschlüsselte Übertragung gewährleisten können. 

Bevor die Videosprechstunde stattfinden kann, muss sichergestellt werden, dass beide Parteien über einen PC (Patienten auch Smartphone oder Tablet) mit Bildschirm, Kamera, Lautsprecher und Mikrofon verfügen. 

Hinweis: Eine Erstuntersuchung darf nicht in Form einer Videosprechstunde durchgeführt werden. Der Patient muss wegen der vorliegenden Erkrankung mindestens einmal im vergangenen halben Jahr persönlich vorstellig gewesen sein. 

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Telemedizin und EBM: Neue GOP 01450 und GOP 01439

Seit April 2017 kann die Videosprechstunde als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgerechnet werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der GKV haben sich auf folgende Vergütung geeinigt. 

GOP 01450: Für jede Videosprechstunde bekommen Arztpraxen einen Technik- und Förderzuschlag in Höhe von 4,21 Euro. Dieser Zuschlag wird für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal gezahlt. 

GOP 01439: Da die Videosprechstunde laut KBV die persönliche Vorstellung beim Arzt ersetzen soll, ist die Onlinesprechstunde Inhalt der Versicherten- bzw. Grundpauschale. Bei Patienten, die in einem Quartal nicht persönlich in der Praxis vorstellig werden, können Ärzte die neue GOP 01439 abrechnen. 

Hinweis: Aus Sicht von KBV und dem Spitzenverband der GKV sind jedoch nicht alle Krankheitsbilder für eine Videosprechstunde geeignet, weshalb die telemedizinische Leistung vorerst nur für bestimmte Indikationen vergütet wird. 

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Quellen: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Forum Verlag Herkert GmbH 

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