Bildung, Erziehung und Soziales

Depression bei Kindern und Jugendlichen: So erkennen Lehrkräfte depressive Schüler

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Bundesweit leiden mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler an einer psychischen Erkrankung. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Die Zahl ist alarmierend, weshalb neben den Eltern auch Lehrkräfte für dieses Thema sensibilisiert sein müssen.

Millionen Schüler sind psychisch auffällig  

Leistungsdruck und Stress machen immer mehr Schülerinnen und Schüler psychisch krank – sie sind gestresst, überfordert, verzweifelt und sogar depressiv. Die Zahlen der KKH zeigen: In der Altersgruppe der 13- bis 18-jährigen KKH-Versicherten ist die Anzahl der an einer Depression erkrankten Kindern und Jugendlichen in den Jahren 2007 bis 2017 um 120 Prozent gestiegen. Bei den 6- bis 8-jährigen KKH-Versicherten verzeichnet die Krankenkasse für das vergangene Jahr mehr als 8000 Kinder, die depressive Anzeichen aufwiesen. 

Auf ganz Deutschland hochgerechnet, sind laut KKH etwa 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche psychisch auffällig. Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge sind es sogar mehr als zwei Millionen. 

Gründe für Depressionen bei Kindern und Jugendlichen 

Die KKH nennt einen zentralen Grund für die Entstehung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Stress – bedingt durch Leistungsdruck, eine dauerbeschleunigende Gesellschaft, digitale Reizüberflutung, Mobbing in den sozialen Netzwerken und Versagensängste. „Viele Kinder kommen nicht mit ihrem Leben klar, weil sie überfordert und verzweifelt sind“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung der KKH. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass der permanente Stress, Druck und Mobbingerfahrungen in einer Depression enden, sei dabei durchaus gegeben. Deshalb ist es so wichtig, Anzeichen für eine psychische Überforderung bei Kindern und Jugendlichen rechtzeitig zu erkennen. An dieser Stelle sind nicht nur die Eltern gefragt, sondern auch Lehrkräfte sowie Pädagoginnen und Pädagogen. 

Zuständig für psychische Erkrankungen sind Lehrerinnen und Lehrer zwar nicht, dennoch ist es wichtig, dass sie in der Lage sind, Eltern zur Seite zu stehen und diese notfalls über die Krankheit und Handlungsmöglichkeiten aufzuklären. Die Software „Besondere Kinder“ geht ausführlich darauf ein, wie mit Depressionen bei Kindern und Jugendlichen umgegangen werden kann.  

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Anzeichen einer Depression bei Kindern erkennen 

Gerade bei Kindern ist eine Depression nur sehr schwer zu erkennen: Ein Problem ist, dass Kinder in ihrer Gefühlswelt im Allgemeinen oft nicht so ernst genommen werden. Selbst wenn sie traurig sind, nicht spielen wollen, keine Motivation haben oder oft müde sind, denken Erwachsene nur selten daran, dass eine Depression dahintersteckt. 

Ein weiteres Problem ist, dass Kinder ihre Gefühle meist noch nicht in Worte fassen können, sondern eher durch auffälliges Verhalten auf sich aufmerksam machen. Häufig berichten sie von körperlichen Beschwerden, wie Bauschmerzen oder Druckempfinden in der Brust, was für Eltern und Lehrkräfte irreführend ist. 

Symptome für eine Depression bei Kindern 

Wenn folgende Symptome in Kombination auftreten, kann das ein Hinweis auf eine Depression beim Kind sein: 

scheinbar grundlose Traurigkeit                             Apathie 
besondere Anhänglichkeit  veränderte Essgewohnheiten, Gewichtsabnahme
schnell in Tränen ausbrechen abfallende schulische Leistung 
unbegründete Angst  Konzentrationsstörungen 
Wutausbrüche Teilnahmslosigkeit 
Lustlosigkeit  Niedergeschlagenheit 
stereotype Bewegungen (Schaukeln) selbstverletzendes Verhalten 

Da diese Merkmale auch Rückschlüsse auf andere Störungen und Probleme zulassen, ist es sehr schwierig, eine Depression im Kindesalter zu diagnostizieren. Denn Traurigkeit, Verzweiflung und das Nicht-Klarkommen mit den Eltern gehören natürlich auch zur normalen Entwicklung in der Pubertät dazu. 

Depression bei Kindern: Test soll Diagnose belegen  

Mittlerweile gibt es einen Bluttest für Kinder, der die Diagnose belegen soll. US-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Aktivität von elf Genen eine Depression bestätigt. Diese Gene lassen gewisse Nukleinsäuren entstehen, die im Blut nachgewiesen werden können. Dieser Test funktioniert jedoch nur bei Kindern, nicht bei Erwachsenen. 

Woher kommen Depressionen bei Kindern und Jugendlichen?  

Die Ursachen für Depressionen bei Kindern und Jugendlichen können sehr vielfältig sein: Depressionen können sowohl genetisch veranlagt, aber auch durch das Umfeld bedingt sein. Wächst ein Kind z. B. ohne Zuwendung und Liebe der Eltern auf, fehlt ihm die Basis für eine gesunde Entwicklung. Es können aber auch äußere Faktoren eine Rolle spielen, wie die Scheidung oder der Tod der Eltern, aber auch sexueller Missbrauch oder Mobbing. 

Bei Jugendlichen treten depressive Störungen vermehrt in der Pubertät auf. Sie nabeln sich von ihren Bezugspersonen ab und suchen die Zugehörigkeit zu anderen Jugendlichen. Gelingt das nicht, fühlen sie sich ungeliebt und unverstanden, ziehen sich zurück und verfangen sich in ihren negativen Gedanken. Das ist sehr gefährlich, denn Selbstmord im Jugendalter gehört zu den häufigsten Todesursachen. 

Eltern und Lehrkräfte sollten die Jugendlichen in dieser Situation abholen und Gespräche anbieten, notfalls immer und immer wieder. Auf keinen Fall sollten Trostversuche wie „Das wird schon wieder“ unternommen werden. Das signalisiert dem Kind oder dem Jugendlichen nur, dass das Umfeld auch keine Lösung für sein Problem hat, was die Sache noch verschlimmert. Weitere Ansatzpunkte zum Umgang mit Depressionen bei Kindern und Jugendlichen finden Lehrkräfte im Werk „Besondere Kinder“.  

Quellen: KKH, „Besondere Kinder“ 

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